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Depressionen: Verstärkt im Herbst Jena
(dpa) - In der kalten und dunklen Jahreszeit nimmt nach Einschätzung des
Jenaer Psychologen Wolfgang Miltner die Zahl der Menschen zu, die an Depressionen
leiden. Als mögliche Ursache gelte die verminderte Lichtintensität, sagte
der Professor für biologische und klinische Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität
in Jena. Die Verarbeitung von Licht im Gehirn fördere die Ausschüttung
der Hormone Serotonin und Noradrenalin, die Stimmungen positiv beeinflussten.
Geholfen werden könne den Patienten unter anderem mit einer Lichttherapie.
So genannte saisonale Depressionen würden mit sehr intensivem weißen Licht
behandelt, damit der Hormonspiegel wieder ansteige. In schweren Fällen
sei aber die Behandlung mit Medikamenten oder eine Verhaltenstherapie
nötig, betonte Miltner. Ein Mangel an Tageslicht und Sonnenschein sei
aber nur eine mögliche Ursache für Depressionen. "Entscheidend sind
auch die Einschränkungen im Leben, die einem vom schlechten Wetter aufgebürdet
werden", sagte Miltner. Lange Abende allein zu Hause, weniger Sport
und kaum noch Bewegung im Freien schlügen vielen Menschen aufs Gemüt.
Komme noch eine genetische Veranlagung für Depressionen hinzu, sei eine
Erkrankung vorprogrammiert. Ein depressiver Mensch fühle sich extrem traurig
und niedergeschlagen, sagte Miltner. "Gefühle der Wertlosigkeit und
teilweise auch der Schuld kommen noch dazu". Die Betroffenen kapselten
sich ab und litten an Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Eine gut gemeinte
Aufmunterung von Angehörigen und Freunden könne das Gegenteil bewirken.
Der Depressive falle schnell in eine "Sei- spontan-Falle", erklärte
der Psychologe. Aufforderungen wie "Mach doch mal was Spontanes"
oder "Jetzt lach doch mal" würde der Betroffene zwar gerne folgen,
er finde aber keinen Weg aus seiner Antriebslosigkeit. "Daraus erwächst
dann wieder ein Gefühl des Versagens und ein Teufelskreis schließt sich",
sagte der Psychologe. Studien seien zu dem Ergebnis gekommen, dass zwischen
5 und 17 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben an einer
Depression litten. Bei Frauen liege die Wahrscheinlichkeit zwei bis drei
Mal höher als bei Männern. Einen Arzt suchten nur die wenigsten auf. "Oft
suchen die Betroffenen viel zu spät Hilfe - nur ein verschwindend geringer
Teil von Depressiven ist wirklich in Behandlung", sagte Miltner. Im Herbst nur "schlecht drauf" oder steckt eine Depression dahinter? München.
Trübes Wetter, frühe Dämmerung - viele Menschen reagieren mit gedrückter
Stimmung auf den Herbstanfang. Ein Grund für den so genannten "Herbst-Blues"
ist der Lichtmangel: Während die Sonne in München im Juni durchschnittlich
knapp 7 Stunden am Tag scheint, sind es im Monat November nur noch etwa
2 Sonnenscheinstunden pro Tag. "Licht wirkt auf die Produktion des
körpereigenen Hormons Melatonin, das u.a. den Schlaf- und Wachrhythmus
des Körpers beeinflusst", erklärt Prof. Dr. Ulrich Hegerl von der
Psychiatrischen Klinik der Universität München. Der Herbst-Blues kann
bei den Betroffenen Symptome wie z.B. Müdigkeit, Erschöpfung, Heißhunger
auf Süßes oder eine Gewichtszunahme hervorrufen. Bei länger andauernden
depressiven Beschwerden zum Arzt "Eine vorübergehende gedrückte Stimmung
in der dunklen Jahreszeit ist kein Grund zur Besorgnis", sagt Prof.
Dr. Ulrich Hegerl. Der Psychiater empfiehlt in diesem Fall Bewegung wie
z.B. Spaziergänge an der frischen Luft. Eine Depression, eine schwere
medizinische Erkrankung, unterscheidet sich aber deutlich von einer melancholischen
Herbststimmung. "Wenn depressive Beschwerden wie Schlafstörungen,
tiefgehende Freud- oder Hoffnungslosigkeit mehr als zwei Wochen anhalten
und den Alltag stark beeinträchtigen, sollten die Betroffenen zum Arzt
gehen", so Hegerl, "möglicherweise liegt eine Depression vor,
die von einem Arzt oder Psychotherapeuten behandelt werden sollte."
Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter der Krankheit
Depression, die im Herbst tendenziell etwas häufiger als in den anderen
Jahreszeiten auftritt. Lichttherapie und Antidepressiva gegen die saisonal
abhängige Depression Einige Betroffene erkranken an einer speziellen Variante
der Depression, der saisonal abhängigen Depression (SAD), die in den Herbstmonaten
beginnt und im Frühjahr endet. Eine Studie der Universität Wien zeigte,
dass es diesen Patienten gerade in den Monaten November und Dezember besonders
schlecht geht. Auch wenn die saisonal abhängige Depression in nördlichen
Breiten häufiger auftritt, beeinflussen nicht nur die Lichtdauer, sondern
auch das Klima, genetische und sozio-kulturelle Faktoren die Verbreitung
der Erkrankung. Eine Lichttherapie mit 10.000 Lux starken Lichtgeräten
bringt bei vielen Patienten mit SAD eine Verbesserung. Antidepressiva,
spezielle Medikamente, die auch bei anderen Depressionsformen verschrieben
werden, sind gerade für schwerere depressive Erkrankungen geeignet. "Viele
Menschen haben Angst vor Medikamenten und fürchten, abhängig zu werden.
Diese Sorge ist aber unbegründet", erklärt Prof. Dr. Hegerl, der
Sprecher des bundesweiten Forschungsprojektes Kompetenznetz Depression
ist. "Antidepressiva - das sind Medikamente, die speziell gegen die
Depression wirken - machen im Gegensatz zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln
nicht abhängig." Das Kompetenznetz Depression ist ein bundesweites
Forschungsprojekt zu Depression und Suizidalität, das vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. http://www.kompetenznetz-depression.de
Oft verkannt: 4 Millionen leiden unter Depression Göttingen
(dpa)- Depressionen werden nach Meinung von Psychotherapeuten als Krankheit
in Deutschland immer noch zu wenig erkannt und behandelt. "Rund vier
Millionen Menschen in Deutschland leiden an Depressionen", sagte
Henning Schauenburg, Oberarzt der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie
der Göttinger Universität. Von diesen würden weniger als die Hälfte ärztlich
betreut. "Von den stationär behandelten Depressiven begehen 15 Prozent
Selbstmord", sagte Schauenburg. Auffällig sei, dass überwiegend Frauen
zu Depressionen neigten. Als eine Erklärung dafür nennen die Forscher
die hormonelle Umstellung während der Pubertät. 90 Prozent der Depressiven
unter 14 Jahren seien männlich. Erst bei den über 14- Jährigen gäbe es
dann einen Anteil von zwei Drittel Frauen. Ein vom Bund mitfinanziertes
Forschungsprojekt in Nürnberg arbeitet nach Informationen der Deutschen
Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin seit dem Jahr 2000 an Möglichkeiten,
Depressionen eher zu erkennen und zu verhindern. Das Programm setze zum
Beispiel Werbeplakate, Kinospot und ärztliche Fragebögen ein. Als vorläufiges
Ergebnis werde ein Rückgang der Suizidversuchsrate um 18 Prozent verzeichnet.
Endgültige Ergebnisse würden 2003 präsentiert. "Psychotherapie der
Depression" ist das Thema des in Göttingen tagenden zehnten Kongresses
der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin. Bei dem Kongress
wurde bekannt gegeben, dass der Göttinger Neurobiologe Eberhard Fuchs
für seine Forschungen unter anderem auf dem Gebiet der Depression den
Wissenschaftspreis des Stifterverbandes erhält. Die mit 50 000 Euro dotierte
Auszeichnung wird ihm am 28. November in Berlin überreicht. Kompetenznetz "Depression, Suizidalität" (naps). Die Presse- und Aufklärungsseiten des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität" wenden sich an Medienvertreter, Patienten, Angehörige, Ärzte, Therapeuten, Lehrer und andere Multiplikatoren. Die Themenlisten zu Depression und Suizidalität werden regelmäßig aktualisiert. Die Schulmaterialien "(Nicht) ganz normal?! Psychische Erkrankungen verstehen" sollen Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit dem Thema "Psychische Erkrankungen" unterstützen. Auch steht eine Pressemappe zum Download bereit. Eine Suchfunktion erleichtert die Recherche. http://www.kompetenznetz-depression.de Gegen Winterdepression: Licht machen und Sport treiben Freiburg (dpa)
- Hell beleuchtete Räume und sportliche Betätigung im Freien sind nach
der Einschätzung von Experten ein gutes Mittel gegen Winterdepressionen.
Mit Einbruch der kalten Monate würden etwa fünf Prozent der Bevölkerung
von den saisonalen Stimmungseintrübungen erfasst, sagte Joachim Bauer,
Professor an der Abteilung Psychosomatische Medizin am Uniklinikum Freiburg.
Am häufigsten seien Frauen und junge Leute betroffen. Symptome seien
ungewöhnliche Müdigkeit mit erhöhtem Schlafbedürfnis, eine deutliche
Verschlechterung der Stimmung, Antriebslosigkeit und gesteigerter Hunger.
"Bei der saisonalen Depression handelt es sich keinesfalls um das
Produkt einer Einbildung, sondern um eine medizinisch anerkannte Gesundheitsstörung",
sagte Bauer. Ursache ist nach den Worten des Psychotherapeuten die in
den Wintermonaten massiv zurückgehende Lichteinstrahlung. Dadurch würde
im Körper vermehrt der Botenstoff Melatonin gebildet, was bei einem
Teil der Bevölkerung depressive Verstimmungen begünstige. Im Gegensatz
zur saisonalen Winterdepression ist die "normale" depressive
Erkrankung durch Schlafstörungen und einen massiven Appetitverlust gekennzeichnet.
Als Vorbeugung und zur Behandlung der Winterdepression empfiehlt der
Arzt, in Innenräumen für helles Licht zu sorgen. In akuten Fällen helfe
auch morgendliche Bestrahlung mit einer therapeutischen, intensiven
Lichtquelle. In vielen Fällen reicht es nach dem Rat des Experten jedoch
aus, vor Einbruch der Dämmerung einmal täglich kurz außer Haus Sport
zu treiben, um etwas Licht zu "tanken". Depressionen: Zahlen klettern in Deutschland Berlin (dpa) -
Depressionen nehmen nach Angaben von Psychiatern in Deutschland zu.
Inzwischen befänden sich zu jeder Zeit rund sechs Prozent der Erwachsenen
in einer depressiven Phase, sagte Jürgen Fritze von der Universität
Frankfurt am Main am Mittwoch in Berlin auf dem Jahreskongress der Deutschen
Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN).
Hausärzte würden aber zu selten die Zeichen einer Depression erkennen.
Meist verschwinde die Melancholie hinter einer Fülle körperlicher Krankheiten
wie Schlaflosigkeit, Schmerzen und Druck auf der Brust. 60 Prozent der
jährlich mehr als 11 000 Selbstmorde in Deutschland würden auf der Hoffnungslosigkeit
einer Depression beruhen. Fritze gab allerdings zu bedenken, dass bei
psychiatrischen Erkrankungen nur schwer zwischen einer echten Erhöhung
des Vorkommens und einer lediglich öfter gestellten Diagnose unterschieden
werden könne. Das «postraumatische Belastungssyndrom» oder die «Sozialphobie»
würden seines Erachtens eher in die zweite Kategorie gehören. Unübersichtlich
sei die Lage beim «Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom» (ADHS, Zappelphilippsyndrom),
das vor allem bei Kindern beobachtet wird. Mit dem Älterwerden solcher
hyperaktiven Kinder werde das Syndrom nun öfter auch bei Erwachsenen
diagnostiziert. Auf dem von 1600 Ärzten und Psychologen besuchten Kongress
wurde erneut vor Haschisch- und Ecstasykonsum gewarnt. «Haschisch verstärkt
die Neigung zur Schizophrenie», sagte DGPPN-Vizepräsident Mathias Berger
(Universität Freiburg). Versuche mit Affen an der Johns- Hopkins-Universität
in Baltimore (USA) hätten gezeigt, dass Ecstasy das Gedächtnis und die
richtige Einschätzung von Situationen beeinträchtige. Bündnis gegen Depression: Zahl der Selbstmorde sinkt Nürnberg (dpa)
- Im ersten Jahr des bundesweit einmaligen Pilotprojekts «Bündnis gegen
Depression» in Nürnberg ist die Selbstmordrate um ein Viertel gesunken.
Die Zahl der Suizide sei im Jahr 2001 von 100 im Vorjahr auf 75 zurückgegangen,
berichtete der Münchner Psychiatrie-Professor Ulrich Hegerl, der das
Projekt mitinitiiert hatte. Die Zahl der Menschen, die einen Selbstmordversuch
unternahmen, sank in der Frankenmetropole um 20 auf 375. Hauptgrund
für den Erfolg des Nürnberger «Bündnisses gegen Depression» sei die
Einbeziehung nicht nur der Hausärzte, sondern aller Ebenen von Kirchen,
Kliniken, Selbsthilfegruppen bis zu Polizei und Feuerwehr. Außerdem
sei in öffentlichen Kampagnen mit Plakaten, öffentlichen Vorträgen und
Kinospots auf das Problemfeld Depression als Krankheit aufmerksam gemacht
worden, sagte Hegerl. In Kempten, Erlangen und Regensburg, aber auch
in Harburg bei Hamburg, Lübeck und Mainz liefen bereits Vorbereitungen
zur Übernahme des Modells, berichtete Hegerl. Mittlerweile gebe es auch
Anfragen aus der Schweiz, Frankreich und Italien. Auch aus Island sei
bereits eine Delegation angereist, um sich vor Ort mit dem Projekt ertraut
zu machen. In Deutschland sterben nach Angaben des Bündnisses jährlich
mehr als 11 000 Menschen durch Suizid, das seien fast doppelt soviele
wie bei Verkehrsunfällen. Depression: Magnetfeldbehandlung gegen Schwermut Schwerte (dpa)
- Die Therapie mit Magnetfeldern könnte in den nächsten Jahren zum Standard
bei der Behandlung depressiver Menschen werden. «Das Verfahren ist vergleichsweise
wenig aufwendig und verspricht positive Effekte», sagte Oberarzt Patrick
Debbelt von der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
in Hemer. Dabei werden in mehreren Sitzungen jeweils mehrere Sekunden
lang Magnetfelder mittels Induktionsspulen auf bestimmte Hirngegenden
gerichtet. Auf einer Fachtagung am Mittwoch in Schwerte tauschten sich
Fachärzte aus ganz Deutschland über diese neue Therapiemethode aus.
«Warum die Stimulation durch Magnetfelder Depressiven hilft, ist bislang
noch nicht erforscht», sagte Debbelt. Dass die Magnetfelder zu einer
Stimmungsverbesserung führen, hätten Neurologen eher zufällig entdeckt.
In der Neurologie werde das Verfahren seit Jahren angewendet, um Nervenschäden
im Gehirn zu diagnostizieren. Nach dieser Behandlung hätten viele Patienten
als Nebeneffekt von Stimmungsverbesserungen berichtet. «Die Magnetstimulation
hat fast keine relevanten Nebenwirkungen, ab und zu tritt Kopfschmerz
auf», so Debbelt. In den USA werde die «repetetive, transcranielle Magnetstimulation»,
wie es im Fachjargon heißt, bereits ambulant angewendet. Auch bei Tinnitus
hätten bereits Erfolge mit der Magnetstimulation erzielt werden können.
In Deutschland zahlen die Krankenkassen das Verfahren bislang nicht,
da noch keine Langzeitstudien vorlägen. «Die Magnetstimulation braucht
weder einen großen personellen noch apparativen Aufwand, daher könnte
sie durchaus in den kommenden Jahren in Nervenarztpraxen eingesetzt
werden», so Debbelt. Nur bei wahnhaften und sehr schweren Depressionen
wirke die Magnetstimulation erfahrungsgemäß weniger gut. Schilddrüsenprobleme
können Depressionen verursachen Rund 20 bis 30 Millionen Deutsche litten an einer solchen Krankheit, sagte Schulte auf der Wissenschaftspressekonferenz (WPK). Folgen seien meistens eine geringe Belastbarkeit, Probleme am Arbeitsplatz und in den Familien. Die Krankheitsformen seien vielfältig, berichtete Prof. Hans-Friedrich Kienzle (Köln). Die bekannteste Erkrankung sei die durch Jodmangel vergrößerte Schilddrüse. Da Deutschland ein Jodmangelgebiet sei, käme es häufig schon bei Kindern zur Kropfbildung. Neben einer solchen Überfunktion der Schilddrüse seien auch Unterfunktionen, Entzündungen und Knotenbildung verbreitet. Werde eine Schilddrüsenerkrankung
durch den Hausarzt diagnostiziert, sei die Hilfe eines Spezialisten
unerlässlich, betonte Prof. Werner Scherbaum (Universität Düsseldorf).
Auf Grund der Fülle der Krankheitsformen müsse eine genaue Diagnose
gestellt werden. Gegen die häufigsten Schilddrüsen-Erkrankungen gebe
es Medikamente. Die Knotenbildung werde allzu oft bagatellisiert, obwohl
es sich bei einer geringen Zahl der Fälle um Schilddrüsenkrebs handeln
könne. Außerdem könne die Schilddrüse auch von so genannten Autoimmunkrankheiten
geschädigt werden, die einer speziellen Therapie bedürften. Langzeitbehandlung mit Antidepressiva verringert Rückfallrisiko London (ddp). Eine längerfristige Behandlung mit Antidepressiva kann dazu beitragen, dass ehemals depressive Patienten nicht erneut in die Depression zurückfallen. Wenn sie die Medikamente ein bis zwei Jahre nehmen anstatt - wie in Standardtherapien - nur vier bis sechs Monate, kann das Rückfallrisiko beträchtlich verringert werden. Das berichten britische Wissenschaftler im Fachblatt «Lancet» (Bd. 361, S. 653). Standardtherapien mit Antidepressiva vermindern die depressiven Symptome zwar meist zuverlässig, nach dem Absetzen der Medikation kommt es jedoch häufig zu Rückfällen. Die Forscher von der psychiatrischen Abteilung der Universität Oxford (Großbritannien) interessierten sich daher dafür, wie lange Antidepressiva tatsächlich eingenommen werden sollten, um Rückfälle wirksam zu verhindern. John Geddes und
seine Kollegen fassten die Daten aus 31 Studien zusammen und konnten
so die Behandlungsverläufe von etwa 4400 Patienten untersuchen. Alle
Depressiven waren in der akuten Krankheitsphase mit Antidepressiva behandelt
worden. Im Anschluss nahm ein Teil der Patienten weiterhin die gleichen
Medikamente, der andere Teil erhielt ein wirkungsloses Placebo. Genesene
Patienten, die ein bis zwei Jahre lang weiter Antidepressiva einnahmen,
hatten eine nur halb so große Rückfallwahrscheinlichkeit wie ehemals
Depressive, die früher mit der Behandlung aufhörten. Depressionen: Partnerschaftskrise erhöht das Risiko München (dpa) - Wer in einer unglücklichen Beziehung lebt, hat ein 25-fach erhöhtes Risiko, depressiv zu werden. Damit seien Partnerschaftsprobleme ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression, berichtet die in München erscheinende Fachzeitung «Ärztliche Praxis» unter Berufung auf Ergebnisse der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Göttingen. Der Zusammenhang zwischen einer unbefriedigenden Beziehung und dem Abrutschen in eine Depression zeigt sich demzufolge bei Frauen deutlicher als bei Männern. Dies könne daran liegen, dass Frauen in Beziehungen häufiger der abhängigere Partner sind. Der Grund könne aber auch sein, dass sie einfach häufiger zum Arzt gehen und depressive Symptome bei ihnen dadurch eher entdeckt werden. Wenn einer der Partner unter einer Depression leidet, kann sich dies in der Beziehung auf unterschiedliche Art äußern: Manche haben kaum noch eigene Interessen, sind abhängig von der Zuwendung des anderen und ziehen sich in ihre Depression zurück. Andere wiederum haben zu hohe Leistungsansprüche und leiden unter jedem Anflug von Kritik. Sie legen ein eher aggressives Verhalten an den Tag. Auf jeden Fall dürfe bei der Therapie einer Depression die Beziehung nicht ausgeklammert werden. Dies geschehe allerdings immer noch oft, kritisieren die Wissenschaftler. Quelle: Netdoktor.de vom 22.04.2003 Depression: Deutschlandweite Kampagne geplant Nürnberg (dpa) - Mit einem bundesweiten Aktions-Programm will Familienministerin Renate Schmidt (SPD) künftig die Volkskrankheit Depression effektiver bekämpfen. Im Rahmen der Kampagne sollen neben Hausärzten und Kliniken auch Kirchen, Selbsthilfegruppen, Polizei und Feuerwehr stärker für die Krankheit sensibilisiert werden, teilten Fachleute des «Kompetenznetzes Depression» an der Universität München am Dienstag in Nürnberg mit. Einzelheiten dazu sollen Anfang Mai in Nürnberg bekannt gegeben werden. In Nürnberg war das Aktionsprogramm erprobt worden. Bereits im ersten Jahr des bislang bundesweit einmaligen Pilotprojekts «Bündnis gegen Depression» war in Nürnberg die Selbstmordrate um ein Viertel gesunken. Fachleute führen dies auch auf eine intensive Öffentlichkeitskampagne zurück. In Deutschland sterben nach Angaben des Bündnisses jährlich mehr als 11 000 Menschen durch Suizid, das seien fast doppelt so viele wie bei Verkehrsunfällen. Quelle: Netdoktor.de vom 23.04.2003 Depressive Arbeitnehmer: Psychiater-Besuch ist nicht Pflicht Frankfurt/Main
(dpa) - Depressive Arbeitnehmer können von ihrer Firma nicht zum Besuch
eines Psychiaters gezwungen werden. Das geht aus einem am Mittwoch bekannt
gewordenen Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurt hervor. Die Richter
gaben der Klage eines Technikers gegen die Deutsche Post statt und erklärten
dessen Kündigung für gegenstandslos (Az.: 4 Ca 7442/02). Der Arbeitnehmer
hatte seinen Vorgesetzten von Selbstmordabsichten und Verfolgungswahn
erzählt. Daraufhin setzte das Unternehmen von sich aus einen Behandlungstermin
bei einem Psychiater fest. Dem blieb der Mitarbeiter aber trotz Aufforderung
fern. Als auch drei weitere Aufforderungen erfolglos blieben, wurde
der Mann zunächst abgemahnt und dann gekündigt. Das Unternehmen begründete
dies mit seiner Fürsorgepflicht. Laut Urteil geht die Fürsorgepflicht
des Arbeitgebers aber nicht soweit, dass ein Mitarbeiter zu einer psychiatrischen
Untersuchung verpflichtet werden dürfe. Der Gerichtsvorsitzende wies
darauf hin, dass die psychische Erkrankung des Technikers weder überhöhte
Fehlzeiten zur Folge, noch sonstige betriebliche Auswirkungen gehabt
habe. Auch Männer können depressiv sein Von ddp-Korrespondentin Katrin Neubauer Münster (ddp). Depressionen sind - nach der gängigen Auffassung - eine typische Frauenkrankheit. Dass bei Männern hinter übermäßigem Alkoholgenuss, Aggression und Reizbarkeit eine depressive Verstimmung stecken kann, ist für viele Ärzte ein eher abwegiger Gedanke. "Zwar sind Frauen etwa doppelt so häufig von dieser Krankheit betroffen wie Männer", sagt Klaus Wahle, Allgemeinmediziner und Lehrbeauftragter an der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster. Das heißt aber, dass immerhin auch ein Drittel der Depressionen auf Männer entfällt. Oftmals wird die Erkrankung bei Männern allerdings nicht als solche erkannt. Denn die Symptome sind zum Teil anders als bei Frauen. Während diese sich erschöpft, traurig und ängstlich fühlen, werden Männer oft zusätzlich aggressiv, nervös, greifen häufiger zur Flasche oder zur Zigarette. "Frauen suchen Hilfe beim Arzt. Männer ziehen sich in sich zurück, igeln sich förmlich ein", erläutert der Arzt. Besonders häufig treten Depressionen bei Männern zwischen 45 und 50 Jahren auf. Die Ursachen sind vielfältig. Oft spielt eine Rolle, dass sie nicht mehr wie gewünscht funktionieren. "Die nachlassenden körperlichen und geistigen Fähigkeiten können mit der Belastung im Job nicht mehr in Einklang gebracht werden", betont der Mediziner. Depressive Männer brauchen - wie Frauen auch - ärztliche Behandlung. Viele scheuen jedoch davor zurück, sagt Wahle. Wichtig sei, dass der Partner ihn ermutigt, notfalls auch drängt, zum Arzt zu gehen. Denn Auslöser für depressive Verstimmungen ist eine Störung des "Nervenstoffwechsels", die mit Medikamenten behandelt werden kann. Die Therapie gehört aber in die Hände eines Arztes. Selbstbehandlung richtet oft mehr Schaden an, als dass sie nützt. Der Lebensgefährte kann in dieser Phase unterstützen, indem er vor allem Geduld und Verständnis aufbringt. «Sie sollten in der Verhaltensänderung ihres Partners keine Aggression gegen sich sehen», betont der Experte. Wichtig ist es, das richtige Maß an Toleranz, aber auch an Forderungen für den Kranken zu finden. Die Fähigkeit des Zuhörens ist in solch einer Phase besonders gefragt. Auch kleine Erlebnisse
abseits alltäglicher Routine können für etwas Aufmunterung sorgen. "Denn
ein Depressiver sieht keine Sonne mehr, nur Schatten", sagt Wahle.
"Ein Stück Sonne verschafft" man ihm, indem man ihn beispielsweise
zu einem gemeinsamen Spaziergang animiert, einen kleinen Ausflug macht
oder auch gemeinsam kocht. Vorsicht aber vor zu viel Meist handele es
sich bei der Erkrankung um eine "depressive Episode", die
bei ausreichend langer Behandlung mit Medikamenten nach etwa neun Monaten
vorüber sei, sagt Wahle. Voraussetzung ist jedoch eine adäquate Therapie.
Andernfalls kann sich die Krankheit bis hin zu einer chronischen Depression
entwickeln. Trotz Sonnenschein: Frühjahr macht anfälliger für Depressionen Berlin (dpa) -
Das schöne Wetter macht nicht nur fröhlich: Im Frühjahr steigt auch
die Zahl akuter Depressionen regelmäßig an, wie der Deutsche Psychotherapeutenverband
mitteilte. Depressiv veranlagte Menschen empfänden im heiteren Frühling
den Kontrast zur inneren Trostlosigkeit besonders schmerzlich. Doch
häufig werde die Krankheit verleugnet, verdrängt oder von Ärzten nicht
erkannt, erklärte der Verband am Mittwoch in Berlin. Rund drei Millionen
Menschen in Deutschland leben nach Angaben des Verbandes mit Depressionen,
allein in Berlin benötigten rund zwei Prozent der Bevölkerung psychotherapeutische
Hilfe. Frauen sind nach Ansicht der Psychotherapeuten doppelt so anfällig
für seelischen Störungen wie Männer. "Depressionen sind eine nach
innen gewandte Form der Aggression", sagte die Berliner Diplom-Psychologin
Ulrike Michels-Vermeulen. "Männer reagieren sich eher nach außen
hin ab". Symptome für Depressionen können anhaltende Schlafstörungen,
Appetitverlust oder ein Engegefühl in der Herzgegend sein, häufig kombiniert
mit langen Phasen von Angst, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Leere,
Interessenverlust - bis hin zu Antriebsschwäche, Entschlussunfähigkeit
und Selbstmordgedanken. Typisch für die Krankheit ist ein schwindendes
Selbstwertgefühl. Ein Alarmsignal kann der Rückzug aus dem Freundes-
und Familienkreis sein. "Das Problem ist, dass all diese Symptome
sehr schnell mit Pillen bekämpft werden, und nicht mit einer psychotherapeutischen
Behandlung", sagte der Berliner Diplom-Psychologe Andreas Wünscher.
Ärzte beachteten oft nur die Schmerzsymptome, nicht aber die innere
Verfassung ihrer Patienten. Nach Ansicht des Psychotherapeutenverbandes
könnte das deutsche Gesundheitssystem um 1,2 Milliarden Euro pro Jahr
entlastet werden, wenn depressiv veranlagten Menschen rechtzeitig geholfen
würde. Eine psychotherapeutische Behandlung kostet nach Verbandsangaben
rund 2000 bis 3000 Euro. Bei einem ärztlichen Befund übernehmen die
Krankenkassen in der Regel die Kosten. Zusammenhang
zwischen Depression und Folsäure-Mangel Keine
Reisekostenerstattung bei chronischer Depression Die Versicherung verweigerte jedoch die Zahlung, da es sich bei der Krankheit zwar um eine schwere, jedoch nicht um eine unerwartete Krankheit gehandelt habe. Das Amtsgericht gab der Versicherung Recht: Es liege dann keine unerwartete Erkrankung vor, wenn bei einer chronischen Erkrankung mit schwankendem Verlauf ein erneuter akuter Schub auftrete. Das Risiko der Reiseabsage aus Anlass einer akuten Krankheitsphase sei daher nicht versicherbar. Bereits bei Abschluss der Reiserücktrittsversicherung habe die Klägerin damit rechnen müssen, dass sie die Reise wegen eines möglicherweise auftretenden akuten Schubs nicht werde antreten können, argumentierte das Gericht weiter. Das Münchner Landgericht bestätigte das Urteil in zweiter Instanz. (Gz.: 133 C 33118/02: AG München; 6 S 5258/03: LG München I) Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 14.07.2003 Hirnscans sollen psychische Probleme verraten Edinburgh (ddp).
Zukünftig werden Menschen mit Verdacht auf Depressionen, Schizophrenie
oder Altersvergesslichkeit möglicherweise nicht mehr zunächst einen
Psychiater oder Psychologen aufsuchen, sondern einen Radiologen. Englische
Forscher haben bei der Eröffnung eines Zentrums für "E-Wissenschaft"
in Edinburgh Pläne für ein Diagnosesystem vorgestellt, das die Aussagekraft
von Hirnscans soweit steigern soll, dass damit eine Vielzahl psychischer
Krankheiten erkannt werden kann. Das System soll das Ergebnis eines
Hirnscans mit dem Tomographen innerhalb von Sekunden mit weltweit gesammelten
Daten vergleichen. Es teilt dem Arzt unter anderem mit, wie das Gehirn
seines Patienten idealerweise aussehen sollte. Das ermögliche es Radiologen,
selbst kleinste krankhafte Veränderungen am Gehirn zu bemerken, berichteten
die Forscher. Ernährung
und Depressionen Von ddp-Korrespondentin Susanne Donner Maastricht/Göttingen (ddp). Sauer macht lustig, Bananen machen glücklich und Schokolade auch. Der Volksmund hält viele Ratschläge parat, um Trübsal zu vertreiben. Doch die Wissenschaft konnte für keines dieser Lebensmittel belegen, dass sie dauerhaft die Stimmung aufhellen. Zwar finden sich sowohl in Schokolade als auch in Bananen Stoffe, die die Glückshormone auf Trab bringen. Doch ist es unmöglich, so viel davon zu essen, dass dauerhaft ein Effekt auf das Gemüt erzielt wird. Dagegen mehren sich nun Studien, wonach eine insgesamt sehr eiweißarme und zugleich kohlenhydratreiche Kost mit reichlich Fisch Menschen langfristig fröhlicher und ausgeglichener macht. "Menschen, die sich immer wieder niedergeschlagen fühlen und an Stimmungsschwankungen leiden, geht es mit einer solchen Diät nachweislich besser", erläutert der Psychologe Rob Markus von der Universität Maastricht. In einer Untersuchung gab Markus 50 psychisch labilen Personen entweder eine kohlenhydratarme, eiweißreiche Ernährung oder eine kohlenhydratreiche, eiweißarme Kost. Dann ließ er beide Gruppen Mathematikaufgaben bei starkem Lärm lösen. Die kohlenhydratreich ernährten Probanden reagierten deutlich gelassener. In ihrem Speichel fanden sich überdies etwa 15 Prozent niedrigere Werte des Stresshormons Cortisol. Eine ausgewogene Kost mit viel Obst und Gemüse, aber wenig Käse, Fleisch oder Nüssen stabilisiert labile Menschen, lautet das Fazit des Forschers. Auch Volker Pudel, Professor für Ernährungspsychologie der Universität Göttingen, bestätigt diese Befunde. "Nach einer Woche beobachteten auch wir in Studien einen positiven Effekt auf das Gemüt. Die Kohlenhydrate machen den Weg frei für den Stoff Tryptophan", sagt er. Aus Tryptophan wird im Gehirn der Botenstoff Serotonin aufgebaut, der glücklich macht und gebraucht wird, um Stress zu bewältigen. Bei depressiven Menschen mangelt es an Serotonin im Gehirn. Menschen mit schweren Depressionen können jedoch mit einer kohlenhydratreichen Diät nicht geheilt werden, warnen die Forscher einhellig. "Dazu ist der Einfluss der Kost auf das Gehirn zu schwach. Sie wirkt keinesfalls wie ein Medikament", betont Pudel. Denkbar sei allenfalls, dass eine schwache Besserung eintritt, entgegnet Markus. Das wird derzeit in einer Studie geprüft. Immerhin ist der Übergang fließend zwischen Menschen mit schweren Depressionen und solchen, die sich nur hin und wieder niedergeschlagen fühlen. Eine schwere Depression liegt dann vor, wenn sich der Betroffene über mehr als zwei Wochen zutiefst traurig, lustlos, müde, schuldig und appetitlos fühlt oder Symptome wie innere Leere und Sehnsucht nach dem Tod empfindet. Dass die Ernährung schwere Depressionen zumindest lindern kann, belegen Studien des amerikanischen Forschers Joseph Hibbeln. Er untersucht seit Jahren den Einfluss von Fisch auf den Gemütszustand. Je mehr Fisch verzehrt wird, desto seltener werden in einem Land Depressionen beobachtet: So gibt es in Ländern wie Japan oder Taiwan rund 60 Mal weniger Depressive wie in Deutschland oder Kanada. Auch die Selbstmordraten liegen in den asiatischen Ländern entsprechend niedriger. In mehreren Studien wurde nun Fischöl, insbesondere die Omega-3-Fettsäuren des Fisches, gegen Depressionen und psychische Störungen getestet. So verabreichte die Sheffield University 70 depressiven Patienten hohe Dosen einer Omega-3-Fettsäure. Die Personen hatten auf gängige Anti-Depressiva nicht angesprochen. In mehr als zwei Drittel der Fälle besserte sich der Zustand, und die Abstände zwischen den Phasen schwerer Niedergeschlagenheit dehnten sich aus. Worauf der Einfluss
des Fisches auf das Gemüt beruht, ist jedoch nicht vollständig geklärt.
Hibbeln meint: "Das menschliche Gehirn besteht mitunter aus essenziellen
Fettsäuren, darunter auch der Omega-3-Fettsäure. Und die Wände der Nervenzellen
bestehen daraus." Auch der Glücksbotenstoff Serotonin und die Fettsäure
scheinen miteinander verknüpft zu sein. Depressive Menschen mit einem
Mangel an Serotonin haben häufig auch einen Mangel an Omega-3-Fettsäure.
Umgekehrt konnte an Schweinen nachgewiesen werden, dass der Serotonin-Spiegel
ansteigt, wenn sie reichlich Omega-3-Fettsäuren ins Futter bekommen.
Derzeit laufen knapp ein Dutzend weitere klinische Studien, die den
Einfluss von Fischöl-Komponenten auf Depressionen untersuchen. Depressionen: 18 Millionen Fehltage im Job Berlin (dpa) -
Depressive Erkrankungen führen in Deutschland nach Angaben der Techniker
Krankenkasse (TK) zu immer mehr Arbeitsausfällen. Die Fehlzeiten auf
Grund depressiver Störungen seien seit dem Jahr 2000 jährlich um mehr
als fünf Prozent gestiegen, heißt es im TK-Gesundheitsreport, den die
Krankenkasse am Montag in Berlin vorstellte. Bundesweit beliefen sich
solche Arbeitsausfälle im Jahr 2002 auf etwa 18 Millionen Fehltage.
Diese psychischen Leiden führten mit durchschnittlich 51 Tagen je Fall
zu «ausgesprochen langen Krankschreibungen», hieß es weiter. Der allgemeine
Krankenstand in Deutschland habe sich hingegen nur geringfügig erhöht.
In Ostdeutschland sei die Häufigkeit der Arbeitsausfälle wegen depressiver
Störungen geringer als im Westen. Die Ausfälle häuften sich hingegen
vor allem in Hamburg und Berlin. Dort seien allerdings auch insgesamt
relativ hohe Krankenstände zu verzeichnen. Verhältnismäßig selten würden
Depressionen in Bayern und Baden- Württemberg diagnostiziert, die auch
insgesamt relativ geringe Krankenstände aufwiesen. Die wenigsten Ausfälle
wegen Depressionen gibt es der TK zufolge in Sachsen, Sachsen-Anhalt
sowie Thüringen. Die höheren Fehlzeiten für Deutschland insgesamt kämen
durch gestiegene Fallzahlen bei den depressiven Störungen zu Stande.
Dazu zählt die Kasse unter anderem kürzere depressive Reaktionen auf
Schicksalsschläge ebenso wie langwierige, schwere Depressionen ohne
direkt erkennbaren Auslöser. Häufigkeit und Dauer von Arbeitsfehlzeiten
wegen Depressionen variieren den Angaben zufolge nach dem jeweiligen
Ausbildungsstand. Bei Menschen mit Universitäts- oder Hochschulabschluss
wurden die niedrigsten Fehlzeiten
ermittelt, während Erwerbstätige ohne Berufsausbildung oder Abitur die
höchsten Fehlzeiten aufwiesen. In Deutschland gibt es rund 38 Millionen
Erwerbstätige. Depressive: Zeitgefühl geht verloren Jena (dpa) - Wer
unter Depressionen leidet, verliert nach Erkenntnissen Jenaer Wissenschaftler
häufig das reale Zeitgefühl. Bei depressiven Patienten sei nicht nur
die Fähigkeit gestört, die Länge einer Zeitspanne richtig einzuschätzen,
teilte die Universität Jena am Mittwoch mit. «Auch Pünktlichkeit, Zeiteinteilung
und Stressresistenz sind beeinträchtigt», sagte Prof. Brigitte Edeler.
Die Psychologin erforscht seit zwei Jahren die Zeitwahrnehmung depressiver
Patienten. Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung.
Nach Angaben von Fachgesellschaften leiden rund vier Millionen Deutsche
unter Depressionen. Für das von Edeler geleiteten Forschungsprojekt
wurden Depressions-Patienten von Fachkliniken in Thüringen, Bayern,
Schleswig-Holstein und Sachsen befragt. «Zum Beispiel empfinden Betroffene
bei Verabredungen das Warten als unendlich lange, obwohl es sich tatsächlich
nur um wenige Minuten handelt», erläuterte Edeler. Dieses «Zeitlupengefühl»
könne in jeder beliebigen Situation auftreten und sei für die Betroffenen
quälend. Weil an Depressionen erkrankte Menschen unter Antriebslosigkeit
leiden, planen sie ihren Alltag zudem weniger häufig und konkret als
psychisch gesunde Menschen. «Deshalb fällt es ihnen auch schwerer, ihre
Zeit einzuteilen und sich an Termine zu halten», sagte die Psychologin.
Gleichzeitig fühlten sich die Patienten häufig unter innerem Zeitdruck
und Stress. Dies sei der Fall, wenn ihre Antriebslosigkeit mit den Anforderungen
der Umwelt kollidiere. Hinzu komme ein veränderter Zeithorizont. «Wegen
ihres Gefühls, ihre aktuellen Probleme nicht lösen zu können, verklären
Depressive oft die Vergangenheit und sehnen sich nach ihr zurück», sagte
Edeler. Das Projekt der Jenaer Wissenschaftler soll im nächsten Jahr
abgeschlossen sein. Nach den Patienten wollen sie auch Ärzte befragen.
Weltweit leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO etwa
121 Millionen Menschen an Depressionen. Typisch für die Krankheit sind
die scheinbar grundlose traurige Verstimmung der Patienten, anhaltende
Hoffnungslosigkeit und Freudlosigkeit sowie körperliche Begleiterscheinungen
wie Schlafstörungen. Häufig führt eine Depression zum Selbstmord. Behandelt
wird die Krankheit mit Psychotherapie und Medikamenten. Depressionsforscher
fordern bessere Versorgung der Betroffenen Für das Schicksal der psychiatrischen Patienten sei oft entscheidend, inwieweit es gelingt, ein Versorgungskonzept "aus einem Guss" zu realisieren. Dabei sollten neben Ärzten und psychosozialen Institutionen der Patient und dessen Angehörige eingebunden sein, betonte Hegerl. Durch eine Optimierung des Krankheitsmanagements lasse sich eine beträchtliche Verbesserung in der Versorgung erzielen. Ziel der zweitägigen Tagung ist eine "patientengerechte und kosteneffektive" Optimierung der Versorgung depressiver Menschen, wie sie etwa durch das Nürnberger Aktionsprogramm "Bündnis gegen Depression" geleistet werde. Depression ist
eine der häufigsten und schwersten Erkrankungen in den Industrienationen.
In Deutschland leiden etwa vier Millionen Menschen unter Depressionen.
Etwa 15 Prozent der Patienten empfinden ihren Zustand als so unerträglich,
dass sie sich das Leben nehmen. http://www.kompetenznetz-depression.de Herbstdepression: Raus an frische Luft München/Bayreuth (dpa) - Mit dem Herbst beginnt für viele Menschen eine Zeit der Niedergeschlagenheit und Schwermut. Sie quälen sich morgens aus dem Bett, essen Berge von Schokolade und fühlen sich ständig schlaff und ausgelaugt. Doch Schonung wäre bei «Saisonal abhängiger Depression» (SAD) die falsche Strategie: Experten empfehlen eine Lichttherapie oder Bewegung an der frischen Luft, ein spannendes Kultur- oder Sportprogramm und viel Kontakt zu anderen Menschen. «Die SAD oder Winterdepression wird durch Lichtarmut ausgelöst», erklärt Professor Manfred Wolfersdorf. Jede Art Depression drückt sich in Angstzuständen, Grübelei, Antriebslosigkeit und Gefühlen der Wertlosigkeit aus. «Zur negativen Stimmung kommen Libidostörungen, Schlaf- und Appetitstörungen», sagt Professor Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenznetz Depression der Psychiatrischen Klinik der Universität München. «Im Gegensatz zu Betroffenen klassischer Depressionsformen, die unter Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit leiden, haben Betroffene von SAD ein übermäßiges Schlafbedürfnis und Heißhungerattacken auf Süßigkeiten.» Um der Winterschwermut entgegen zu wirken, ist Selbstdisziplin gefordert. Hans-Jürgen Hartmann, Psychotherapeut in Fulda, rät, die Aktivitäten zu steigern: «Kultur, soziale Kontakte, Sport - all dies hilft gegen Depressionen, da es von der negativen Stimmung ablenkt.» Zudem sei eine Lichttherapie möglich. Dabei wird der Patient ungefähr eine Woche lang täglich für etwa 30 Minuten mit Licht der Stärke 10 000 Lux bestrahlt. Dadurch sollen die Netzhaut des Auges stimuliert und stimmungsaufhellende chemische Botenstoffe ausgeschüttet werden. Einfacher als die Lichttherapie ist es, konsequent nach draußen zu gehen: «Ein Spaziergang versorgt tagsüber genauso gut mit Licht und verschafft zusätzlich Bewegung», so Experte Hegerl. Auch ein Urlaub ist eine Flucht aus der Lichtarmut: Ob Wintersport oder Palmenstrand - beides hilft «die Batterien wieder aufzutanken», so Wolfersdorf. Quelle:
Netdoktor.de vom 13.10.2003 Nebenwirkungen
bei Antidepressiva sind eine Frage der Gene Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 13.10.2003
Berlin (dpa) - Depressionen nehmen unter Berufstätigen zu, obwohl der Krankenstand insgesamt nach einer Untersuchung der Techniker- Krankenkasse (TK) sinkt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der depressiven Erkrankungen erneut um 3,6 Prozent, wie aus einer Analyse der Krankschreibungen und Verordnungen für die rund 2,4 Millionen bei der TK versicherten Erwerbstätigen hervorgeht, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Rund 1,4 Millionen Fehltage gingen auf das Konto der Depressionen. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergäbe dies 18 Millionen Fehltage. Man könne vermuten, dass wirtschaftliche Unsicherheit und Angst um den Arbeitsplatz zu mehr Depressionen führten, sagte der Autor der Auswertung, Thomas Grobe. «Der Schluss liegt nahe, ist aber wissenschaftlich schwer nachzuweisen», fügte er hinzu. Der Krankenstand insgesamt ging 2003 noch einmal von 3,29 Prozent auf 3,18 Prozent zurück. Statt zwölf Tage wie im Jahr 2002 war der durchschnittliche Versicherte noch 11,6 Tage krankgeschrieben. Häufigster Grund waren trotz Rückganges immer noch die Krankheiten des Bewegungsapparates. Mehr als zwölf Prozent der Erwerbstätigen nahmen Medikamente gegen Bluthochdruck ein. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung wären das vier Millionen Menschen. Den Verschreibungen zufolge sei die Zahl der Bluthochdruck- Patienten viel höher als nach den Krankschreibungen in Deutschland zu vermuten wäre, betonte die TK. Während Herz-Kreislauf-Leiden bei den Krankschreibungen nur im Mittelfeld rangierten, nahmen sie bei den Verschreibungen eine Spitzenstellung ein, hieß es. «Die Analyse der Krankenstände allein reicht nicht aus, um realistische Informationen über die Gesundheitssituation der Erwerbspersonen zu erhalten», erläuterte TK-Vorstand Christoph Straub. «Gerade Bluthochdruck ist eine Krankheit, die durch ein Umstellen der Lebensweise, durch Gewichtsabnahme, gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung bekämpft werden kann», betonte Straub. Hier könnten Bonusprogramme der Krankenkassen Motivationsanreize bieten. Quelle: Netdoktor.de vom 25.08.2004 Diabetes
und Depression: Gefährliches Duo Depressionen: Krankheit wird häufig nicht erkannt Hannover (dpa)
- Depressionen werden nach Ansicht von Medizinern oft nicht rechtzeitig
erkannt und nicht richtig behandelt. Die Patienten gingen selten zum
Arzt, und auch für Allgemeinmediziner sei die Diagnose oft schwierig,
sagte der Psychiater und Leitende Oberarzt an der Medizinischen Hochschule
Hannover, Detlef Dietrich. Er ist in Deutschland Koordinator des «Europäischen
Depressionstages», der am 7. Oktober erstmals von der Europäischen Vereinigung
gegen Depressionen (European Depression Association) ausgerufen wird.
Auf Grund der ganz unterschiedlichen Symptome sei es für Hausärzte nicht
leicht, Depressionen rechtzeitig zu erkennen. Die Erkrankung geht -
anders als bei einfachen Stimmungstiefs - mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen,
innerer Unruhe und Angst-Symptomen einher. Es reiche nicht, Patienten
einfach Schlafmittel zu verordnen oder sie in den Urlaub zu schicken,
meinte der Psychiater Dietrich. In westlichen Industrienationen erkranken
nach Schätzungen rund 15 Prozent der Bevölkerung an einer Depression.
Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Europäische
Vereinigung gegen Depressionen ist in diesem Jahr gegründet worden. European Depression Day - 7. Oktober 2004 Erster Europäischer Depressionstag
soll (naps). Die "European Depression Association" (EDA) ruft in diesem Jahr zum ersten Mal am 7. Oktober 2004 den Europäischen Depressionstag aus. Die Koordination in Deutschland übernahm Privatdozent Dr. Detlef Dietrich aus der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): "Die Welt-Gesundheits-Organisation geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 die Depression die weltweit führende Krankheitsursache neben den Herz-Gefäß-Erkrankungen sein wird. Hinzu kommt, dass ein größerer Teil der Betroffenen als depressiv Erkrankte nicht richtig erkannt und oft auch nicht adäquat versorgt wird." Das Ziel der European Depression Association sei es deshalb, die Aufmerksamkeit für diese Erkrankung bei Patienten, Angehörigen, bei Ärzten, Pflegekräften und öffentlichen Entscheidungsträgern zu erhöhen sowie Informationsdefizite abzubauen. Typische Symptome
einer Depression: eine traurige Verstimmung, Schlafstörungen, Angst
und Selbsttötungsgedanken, Denken und innerer Antrieb sind gehemmt.
Auch körperliche Symptome können auf eine Depression hinweisen. Bei
einigen Patienten wechseln sich depressive Phasen mit manischen ab -
dann sind die Betroffenen unangemessen gehobener Stimmung, ihr Antrieb
ist gesteigert, sie überschätzen sich und sind enthemmt. Untersuchungen
zeigten, dass im Vorfeld von Depressionen gehäuft krisenhafte Ereignisse,
wie der Verlust einer geliebten Person oder anhaltende Konflikte, aufgetreten
waren. Diese Faktoren scheinen allerdings nicht allein Depressionen
auszulösen, sondern führen eher zu einer unspezifischen Stressreaktion
- woraus sich schließlich durch weitere Risikofaktoren eine Depression
entwickeln kann. [ ... ] Nicht
jede Verstimmung ist eine Herbst-Winter-Depression Laut Hegerl treten depressive Erkrankungen das ganze Jahr über auf. Im Herbst und Winter nehmen sie insgesamt zwar zu, doch nur unwesentlich. Lediglich die Saisonal Abhängige Depression - eine eher seltene Unterform depressiver Erkrankungen - tritt regelmäßig in diesen Jahreszeiten auf. Die Erkrankung kommt immer zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr - meist im Herbst. Die Betroffenen sind energielos, haben keinen Antrieb, leiden unter niedergedrückter Stimmung und Schuldgefühlen. Im Unterschied zu allen anderen Formen von Depressionen geht diese Form nicht mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust einher, sondern mit Heißhunger auf Süßes. Außerdem haben Betroffene ein vermehrtes Schlafbedürfnis und nicht hartnäckige Schlafstörungen wie andere depressiv Erkrankte. Für den Laien ist es schwer zu erkennen, ob er an einer Saisonal Abhängigen Depression leidet oder unter einer Verstimmung, räumt Hegerl ein. Der Experte rät: "Wer länger als zwei Wochen mehrere der genannten Symptome bei sich beobachtet und darunter massiv leidet, sollte zur genaueren Abklärung auf alle Fälle einen Arzt aufsuchen." Dies könne der Hausarzt sein, wenn zu ihm ein Vertrauensverhältnis besteht, oder ein Facharzt für Psychiatrie beziehungsweise ein Psychotherapeut. Als erster Check steht im Internet unter www.kompetenznetz-depression.de auch ein Selbsttest zur Verfügung. Im Gegensatz zur
depressiven Erkrankung ist eine depressive Verstimmung nicht behandlungsbedürftig.
Der Betroffene selbst kann jedoch einiges tun, um seine Stimmung zu
verbessern: Bewegung, am besten regelmäßig an der frischen Luft, und
eine ausgewogene Ernährung sind zu empfehlen. Wichtig ist nach Angaben
von Hegerl auch, sich nicht zu sehr zurückzuziehen, sondern auch in
der dunklen Jahreszeit soziale Kontakte zu pflegen. http://www.kompetenznetz-depression.de Depressionen: Wichtige Ursache für Krankheit und Behinderung Kopenhagen (dpa)
- Depressionen sind die drittwichtigste Ursache von Krankheit und Behinderung
in der EU, Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion. Das sagte der Regionaldirektor
Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Marc Danzon, zum Tag der
Psychischen Gesundheit am 10. Oktober. In den 52 europäischen Mitgliedsländern
der WHO erhielten nur die Hälfte aller an Depression leidenden Menschen
medizinische Behandlung. 20 Prozent aller an Schizophrenie Erkrankten
würden nicht ärztlich betreut. Jedes Jahr nähmen sich 147 000 Menschen
in dem Gebiet das Leben. Insgesamt leben in diesen Ländern nach WHO-Angaben
870 Millionen Menschen. Das Krebsrisiko unter alten Menschen, die an
Depressionen leiden, sei um 88 Prozent höher als bei psychisch Gesunden,
berichtet die WHO. Depressive Männer hätten ein um 70 Prozent höheres
Risiko für Herzkrankheiten. «Es ist wichtig, dass sich die Länder der
gesamten Region auf die Prioritäten einigen und beschließen, welche
konkreten Maßnahmen sie ergreifen wollen», betont Danzon. Auch zu diesem
Zweck bereitet die WHO gerade eine Konferenz aller europäischen Mitgliedstaaten
vor, die im Januar 2005 im finnischen Helsinki stattfinden wird. Psyche: Manische Depressionen oft spät erkannt Augsburg (dpa) - Manisch-depressive Erkrankungen werden nach Expertenmeinung als «bipolare Störungen» viel zu spät erkannt. «Statistisch wird erst acht Jahre nach Ausbruch der Krankheit die richtige Diagnose gestellt, das ist eine Katastrophe», sagte der Augsburger Oberarzt Andreas Erfurth in einem dpa-Gespräch bei einer Fachtagung am Samstag in Augsburg. In Deutschland seien rund vier Millionen Menschen betroffen. Unter diesen Patienten sei die Selbstmordgefährdung 20 Mal höher als in der Normalbevölkerung. «Immer häufiger stellen wir manisch-depressive Erkrankungen bei Jugendlichen fest», sagte Erfurth. Das führe zu Schulversagen, Gewalttätigkeit und Aggressivität bei jungen Männern sowie zur Flucht in Alkohol und Drogen. Erfurth: «Ein typischer Fall: Eine 16-Jährige wird in der euphorischen Phase schwanger, dann kommt die Abtreibung, die junge Frau fällt in eine schwere Depression, ein Jahr in der Schule ist schnell verloren, dann der Schulabbruch.» Erwachsene Männer seien in den manischen Phasen oft hoch aggressiv und gefährlich. «Da steht die Polizei ganz schnell vor der Tür», sagte Erfurth, der als Oberarzt am Augsburger Klinikum manisch-depressive Patienten betreut. Bei Patienten mit bipolaren Störungen bestehe in der depressiven Phase ein großes Suizidrisiko. Rund 20 Prozent der Betroffenen würden einen Selbstmordversuch unternehmen, etwa 15 Prozent sterben am Suizid. Erfurth: «Die Dunkelziffer ist viel höher.» Die Ursachen für diese schwere Erkrankung seien noch nicht ganz bekannt, eine genetische Veranlagung sei aber mitverantwortlich. «Auch die Hormone spielen eine große Rolle.» Bei richtiger Behandlung könnten die Patienten geheilt werden. Dafür gebe es neue, wirksame Medikamente. In jedem Fall brauchen manisch-depressive Patienten ärztliche Hilfe, sagte Erfurth und wies auch auf Selbsthilfegruppen hin. Quelle: Netdoktor.de vom 11.10.2004 Rostocker
"Bündnis gegen Depression" startet 2005 Nach Ansicht der
Vorsitzenden des Angehörigenverbandes, Ulrike Schob, "trägt der
Austausch zwischen den psychiatrisch Tätigen, den Kranken und ihren
Angehörigen, seit 1994 als 'Trialog' bezeichnet, mit dazu bei, den Genesungsprozess
der Betroffenen zu unterstützen und die Familien zu entlasten".
Viele Angehörige und Betroffene wünschten sich vor allem Information,
Orientierung und Verständnis, auch um eigene Vorurteile und Unsicherheiten
abbauen zu können, erklärte Schob. So referierten dann auch die Referenten
Kerstin Vahar-Matiar, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
(Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Städtischen
Krankenhauses Wismar), und Dr. med. Elmar Habermeyer (Lt. Fazit: Trotz Aufklärungsbemühungen
bleibt die Fragen offen, ob es in absehbarer Zeit möglich sein wird,
genauso freimütig über eine Psychose oder Depression zu sprechen, wie
andere über Diabetes, Herzinfarkt oder Krebs. Vollständiger Beitrag
unter: Zum Thema auch: Psychopharmaka-Behandlung: Erstmal Auto stehen lassen München (dpa) -
Während einer Behandlung mit bestimmten Psychopharmaka sollten Patienten
auf das Autofahren verzichten. Die oft verschriebenen so genannte trizyklischen
Antidepressiva könnten die Aufmerksamkeit des Patienten so schwächen,
dass sicheres Autofahren kaum mehr möglich ist, warnt der ADAC in München.
Besser für Autofahrer geeignet seien so genannte selektive Antidepressiva,
da diese die Konzentrationsfähigkeit weniger einschränken. In jedem
Fall sollten Betroffene ihren Wagen in den ersten Wochen einer Behandlung
mit Psychopharmaka oder nach einer Umstellung des Medikamentes stehen
lassen. Es könne einige Wochen dauern, bis sich die gewünschte Wirkung
einstellt. Buchvorstellung:
"Depressionen - die stille Hölle" Ihren Leidensweg
zeichnet sie in ihrem soeben erschienen dritten Buch "Depressionen
- die stille Hölle" als Sarah Lander nach. So ist es auch kein
Wunder, dass die über fünfzig Abschnitte hinter dem Titel nicht zurück Sarahs Abspann
enthält wichtige Erfahrungen und Erklärungen über Depressionen. Kein
Gelehrter könnte ihre Erkenntnisse so authentisch rüber bringen, es
sei denn, er ist selbst betroffen. Ein weiterer Lichtblick: "Depressionen
- die stille Hölle" steht für einen längst fälligen Tabubruch: "Depressionen - die stille Hölle" von Dagmar Uhlmann viademica.verlag berlin, ISBN 3-937494-05-7 Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.141 vom 14.10.2004 Winterdepression: 25 Prozent sind betroffen Berlin (dpa) - Je kürzer und dunkler die Tage, desto düsterer sind viele Menschen gestimmt. Die Häufigkeit und die Auswirkungen von Winterdepressionen werden nach Ansicht des Berliner Psychiaters Dieter Kunz in Deutschland deutlich unterschätzt. «Ein Viertel der Bevölkerung verspürt saisonale Stimmungsschwankungen, fünf Prozent leiden», sagte der Chefarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig Krankenhaus in einem dpa-Gespräch. Meist verschlimmere sich die Depression bis zu einem Höhepunkt im Februar oder März. Bei drei bis fünf Prozent der Deutschen werde sie so schlimm, dass sie behandelt werden müsse. Viele Betroffene nähmen die Symptome wie ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit als alljährliche Winterphänomene hin. «Eine Winterdepression ist aber ein klar biologisches Phänomen, kein psychologisches», betonte der Spezialist für Chronobiologie. Symptome wie das um bis zu zwei Stunden höhere Schlafbedürfnis und der Heißhunger auf Kohlenhydrate wie Schokolade seien im Grunde nichts anderes als «Überbleibsel» des Winterschlafs. Die Veränderungen von Hormonspiegel, Herzfrequenz und Blutdruck ähnelten denen eines sich in monatelangen Schlummer begebenden Igels oder Bären. Antidepressiva wie sie gegen «normale» Depressionen verschrieben werden, würden meist nicht helfen. Gegen das Jahrtausende alte Phänomen gibt es Kunz zufolge ein einfaches Mittel: «Licht, Licht, Licht und nochmals Licht.» Vor allem in den Morgenstunden gelte es, möglichst viele Lichteinheiten «aufzufangen», um der inneren Uhr das Ende der Nacht deutlich zu machen. «Gehen Sie zehn Minuten eher aus dem Haus, laufen eine Bushaltestelle weiter und gucken dabei in den Himmel», empfiehlt Kunz. «Selbst der graueste Tag hat mehr Helligkeit zu bieten als die leistungsstärkste Halogenlampe.» Quelle: Netdoktor.de vom 08.11.2004 Depression: Nicht leiden, behandeln lassen Augsburg (dpa)
- Depressionen entwickeln sich nach Expertenmeinung weltweit zu einer
Volkskrankheit. «Elf Prozent aller Hausarztpatienten haben eine behandlungsbedürftige
Depression», sagte der Augsburger Psychiater und Depressions-Experte
Prof. Max Schmauß in einem dpa-Gespräch. Prominentester Patient sei
der Fußballer Sebastian Deisler vom FC Bayern München, der wegen Depressionen
monatelang in klinischer Behandlung war. Viele Patienten würden ihre
Krankheit verschweigen. Schmauß: «Da heißt es von Deisler lernen und
sich behandeln lassen. Viele Patienten können wieder gesund werden.»
Von 100 Depressiven kommen nach Angaben des Psychiaters nur 50 Patienten
zum Arzt und nur bis zu 15 Prozent würden richtig behandelt werden.
Ursache für Depressionen sei eine «biopsychosoziale Veranlagung» mit
genetischem Hintergrund. Symptome seien Schlafstörungen, Appetitlosigkeit,
Konzentrationsstörungen und ein geringeres Interesse beim Sex. Schmauß:
«Es ist nicht so sehr Trauer, was Depressive empfinden, sondern Antriebshemmung,
Lust- und Freudlosigkeit. Viele empfinden gar nichts, eine große Leere.»
Frauen seien vor allem im Alter von 45 bis 60 Jahren doppelt so oft
betroffen wie Männer. Die Selbstmordgefahr bei Depressiven sei bis zu
20 Mal höher als bei gesunden Menschen. Experten raten zu einer Behandlung
mit Antidepressiva. «Die sind nicht schlimmer als Blutdruckmittel und
machen nicht abhängig», sagte Schmauß, der dem Vorstand der Deutschen
Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
angehört. Er räumte ein, dass bei vielen Patienten schwere Bedenken
bestünden, diese Tabletten würden zu einer Persönlichkeitsveränderung
führen. «Das ist aber nicht so, wir haben in den letzten Jahren rund
zehn neue Substanzen bekommen, die gut helfen.» Depressive sollten sich
auf jeden Fall von einem guten Arzt behandeln lassen und nicht leiden.
Schmauß: «Depressionen können immer wieder auftreten. Behandelte Patienten
können aber beschwerdefrei leben und sagen: Ich bin wieder gesund.» Rezeptormangel kann Depressionen verursachen Washington (ddp). Ein auf Stresshormone reagierendes Protein im Vorderhirn ist einer der Schlüsselfaktoren beim Entstehen von Depressionen. Amerikanische Forscher konnten diesen Zusammenhang in einer Studie mit genetisch veränderten Mäusen jetzt nachweisen: Fehlte den Tieren der so genannten Glucocorticoid-Rezeptor im Gehirn, entwickelten sie typische Symptome einer Depression und zeigten stark erhöhte Mengen von Stresshormonen im Blut. Darüber berichten Maureen Boyle von der Washington-Universität in St. Louis und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "PNAS" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0406458102). Bei Stress werden auf Anweisung von Hypothalamus und
Hirnanhangdrüse Stresshormone wie Cortisol und Cortison in der Nebennierenrinde
gebildet. Um diese These zu überprüfen, erzeugten Boyle und ihre Kollegen Mäuse, bei denen die Anzahl der Rezeptormoleküle im Laufe ihrer ersten Lebensmonate ständig abnahm. Im Alter von sechs Monaten waren mehr als 95 Prozent der Sensorproteine im Vorderhirn der Tiere zerstört. Parallel dazu zeigten die Tiere deutliche Anzeichen depressiven Verhaltens wie Schlaf-, Lern- und Gedächtnisstörungen, eingeschränkter Appetit und allgemeine Antriebslosigkeit. Gleichzeitig stiegen die Stresshormonmengen im Blut deutlich an und ließen sich auch nicht durch die Gabe synthetischer Hormone senken. Diese Ergebnisse bestätigten die Schlüsselrolle des
Glucocorticoid-Rezeptors bei der Hormonregulation, schreiben die Forscher.
Sie lieferten außerdem eine Erklärung dafür, wie Umweltfaktoren wie
Stress oder Krisen Depressionen Studien zur Depression an der Charité Berlin (pm/cw). Das Koordinierungszentrum für Klinische Studien an der Charité (KKS Charité) organisiert eine Reihenveranstaltung zu aktuellen klinischen Studien an der Charité. Auftakt war eine Veranstaltung zu klinischen Studien im Allgemeinen und der Bedeutung für Patienten und mögliche Studienteilnehmer. Am 12. Januar werden von 18.00 bis 19.30 Uhr aktuelle Forschungsprojekte zum Thema "Depression" in der Charité Campus Virchow Klinikum, Hörsaal 2, Augustenburger Platz 1 in 13353 Berlin vorgestellt. Diese Veranstaltung soll Betroffenen, Angehörigen und Interessierten aber auch niedergelassenen Ärzten die Möglichkeit geben, sich über aktuelle Projekte zur Erkennung und Behandlung der Depression sowie über die Möglichkeiten zur Studienteilnahme zu informieren. Fragen per E-Mail an: christine.witte@charite.de Internet: http://www.kks.charite.de Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr.151vom 05.01.2005 Bonn
(dpa) - Der so genannte Baby-Blues trifft viele junge Mütter nach
der Entbindung. Manchmal entwickeln sich diese «Heultage»
aber auch zu einer länger anhaltenden Wochenbettdepression oder
sogar zu einer Psychose. Eine erste Anlaufstation bei solchen seelischen
Problemen soll jetzt die Internetseite www.frauen-und-psychiatrie.de
bieten, heißt es bei der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
in Bonn. Betrieben wird die Seite von der Frauenklinik am Universitätsklinikum
Bonn. "Baby
Blues" und "Heultage" - Internet-Angebot für junge
Mütter Dieses auch als "Baby Blues" und "Heultage" bekannte Phänomen gehe meist nach einigen Tagen vorüber. Bei einigen Frauen entwickelt sich das Ganze aber zu einer länger anhaltenden Wochenbettdepression oder gar zu einer krankhaften und behandlungsbedürftigen Psychose. Besonders problematisch sei die Situation für Frauen, die bereits psychisch erkrankt waren. Gemeinsam mit dem Kinderarzt Christof Schaefer entwickelte Rohde das Online-Angebot www.frauen-und-psychiatrie.de. Es soll für betroffene Frauen und deren Angehörige erste Anlaufstelle sein. Aber auch behandelnde Ärzte finden hier Informationen. Die Medizinerin stellt Unwissenheit auf beiden Seiten fest: "Junge Mütter gehen bei psychischen Problemen oft zu spät zum Arzt, und dort werden sie dann gar nicht oder falsch behandelt. Aus Angst um das Kind empfehlen Ärzte beispielsweise abzustillen, das stürzt die Patientinnen in noch größere Schuldgefühle gegenüber dem Kind." Solche
Diagnosen hängen nach Beobachtungen von Rohde mit der Angst vor
Nebenwirkungen von Psychopharmaka für das ungeborene beziehungsweise
gestillte Kind zusammen. In diesen Fällen gelte es, Nutzen und
Risiko gründlich abzuwägen. Die Internetseite bietet ein elektronisches
Nachschlagewerk zu verschiedenen Medikamenten und ihren Auswirkungen
auf Verhütung, Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit. Depressionen: Vier Millionen behandlungsbedürftig München (dpa) - In Deutschland leiden nach Angaben des Münchner Psychiaters Prof. Ulrich Hegerl rund vier Millionen Deutsche akut an einer behandlungsbedürftigen Depression. Damit sei die Depression eine der größten Volkskrankheiten, sagte der Experte am Montag in München beim 13. Europäischen Psychiater-Kongress. Depressionen würden von den Hausärzten oft nicht oder zu spät erkannt, weil oft körperliche Beschwerden wie Magen-, Rücken- oder Kopfschmerzen im Vordergrund stünden. Eine richtige Depression habe Krankheitscharakter und sei nicht vergleichbar mit so genannten depressiven Verstimmungen, die jeder kenne und die zum Leben dazu gehörten, betonte Hegerl. Bei Depressiven sei nach Ansicht vieler Wissenschaftler der Stoffwechsel des Gehirns gestört: Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin, die für die Übertragung von Impulsen zwischen den Nervenzellen verantwortlich sind, seien in diesen Fällen aus der Balance geraten. Deshalb komme neben der psychotherapeutischen Behandlung auch der medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva als einer zweiten Säule eine große Bedeutung zu. Das Modellprojekt «Nürnberger Bündnis gegen Depression» hat nach den Worten von Hegerl gezeigt, dass sich die Versorgung von depressiven Menschen durch regionale Aktionsprogramme verbessern und so auch die Zahl von Selbstmorden deutlich verringern lasse. Die Konzepte des Nürnberger Modellprojekts würden derzeit von zahlreichen anderen Regionen in Deutschland und Europa übernommen. Die Internet-Adresse «www.kompetenznetz-depression.de» wird nach Angaben des Experten täglich von rund 3000 Interessierten aufgerufen. Solche Angebote seien wichtig, weil gerade psychisch Kranke anfangs oft anonyme Hilfe bevorzugten. Veranstalter des Kongresses ist die europäische Psychiater- Vereinigung AEP (Association of European Psychiatrists). Der Kongress mit rund 1500 Teilnehmern, der am vergangenen Samstag begann, geht an diesem Mittwoch (6. April) zu Ende. Quelle: Netdoktor.de vom 05.04.2005 Eine Krankheit wird entschlüsselt "Das Rätsel Depression:
Eine Krankheit wird entschlüsselt" nimmt seine Leser mit. Schon
das Vorwort ist mitreißend: "Es ist aus einer engen Zusammenarbeit
zwischen einem Professor für Psychiatrie, einem Psychologen und einem
ehemals an Depression erkrankten Architekten entstanden." Ein origineller,
praxisbezogener Ratgeber aus der naturwissenschaftlich orientierten
Psychiatrie, der den kritisch-differenzierten Blick über den Tellerrand
nicht scheut. (z.B. Kapitel "Schulmedizin oder alternative Das 254 Seiten starke Buch erörtert die neuesten Erkenntnisse des Kompetenznetzes Depression (www.kompetenznetz-depression.de). Dabei widmet es sich den Sichtweisen der Depression von der Antike bis heute, beschreibt medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungsstrategien. Eindrucksvoll gelingt es den Autoren, die Situation der Betroffenen und Angehörigen authentisch darzustellen. "Was Angehörige tun können" und die "Neun Empfehlungen von Betroffenen und Therapeuten" beschreiben den richtigen Umgang mit der Erkrankung. Ein Lehrbeispiel - auch für alle Laienhelfer - ist, wie ein Polizeibeamter ein zuizidpräventives Gespräch mit einem jungen Mann führt, der auf dem Geländer einer hohen Eisenbahnbrücke sitzt. Respekt! Par Excellence reflektiert das Kapitel "Depression und Kunst - Kunst in der Depression?" bemerkenswerte Antworten. Diese werden in sich schlüssig dargestellt. Deutlich wird der Unterschied zwischen einem melancholischen Grundgefühl und einer individuell erlebten Depression herausgestellt. Die Autoren Ulrich Hegerl, David Althaus und Holger Reiners haben ein Buch verfasst, das direkt in die Praxis führt. Ein hilfreicher Selbsttest und ausgewählte Adressen runden das durchdachte Werk ab.
Dieses Buch, verfasst von Fachleuten des renommierten "Kompetenznetzes Depression" sowie einem Betroffenen, erläutert die neuesten Ergebnisse der Depressionsforschung und die erfolgreichsten Behandlungswege. Es zeichnet sich gegenüber herkömmlichen Ratgebern dadurch aus, dass die Erfahrungswelt von Betroffenen besonders anschaulich gemacht wird. Das Rätsel der Depression, das zeigt dieses Buch überzeugend, ist heute in großen Teilen gelöst, und die Therapie- und Hilfsmöglichkeiten für Betroffene und ihre Angehörigen sind erfolgversprechend. Ein wichtiger Beitrag, um eine der häufigsten und am meisten missverstandenen seelischen Erkrankungen vom Stigma des Mysteriösen und Unheilbaren zu befreien. Ulrich Hegerl, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, ist Professor und Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Darüber hinaus ist er Sprecher und Koordinator des "Kompetenznetzes Depression". David Althaus ist promovierter Diplom-Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Mitbegründer des Vereins "Bündnis gegen Depression". Holger Reiners ist Architekt, Unternehmensberater und Autor. Bekannt wurde er durch sein Buch "Das heimatlose Ich. Aus der Depression zurück ins Leben", in dem er von seinen Erfahrungen als langjähriger und inzwischen geheilter Depressionspatient berichtet. Das Rätsel Depression:
Eine Krankheit wird entschlüsselt. Ulrich Hegerl, David Althaus, Holger
Reiners. (2005) C.H.Beck. 254 Seiten mit 28 Abbildungen und 2 Tabellen,
broschiert. Warum
Antidepressiva zunächst oft nicht wirken Depression: Störungen bei Partnern ernst nehmen Neuss (dpa) - Angehörige
von Depressiven sollten den Kranken nicht auffordern, sich zusammenzureißen.
Partner oder Freunde dürften die gedrückte Stimmung und die allgemeine
Interessenlosigkeit nicht als mangelnde Willenskraft deuten, warnt Christa
Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater
(BVDP) mit Sitz in Neuss (Nordrhein-Westfalen). Wenn der Betroffene
Eigeninitiative zeigt, sollten Angehörige ihn allerdings voll unterstützen.
«Informieren Sie sich umfassend über das Krankheitsbild», rät Roth-Sackenheim.
Mit dem Wissen über depressive Störungen könnten dem Partner oder Freund
mehr Verständnis entgegengebracht werden. Angehörige sollten außerdem
versuchen, geduldig zu bleiben und die Sorgen des Betroffenen ernst
zu nehmen. Dabei dürften sie sich jedoch selbst nicht überfordern, sondern
sollten sich eher gemeinsam mit dem Kranken um professionelle Hilfe
bemühen. Weitere Informationen zum Thema «Depressionen» finden sich
auf der Internetseite www.psychiater-im-netz.de. Depressionen: Angstgefühle als Anzeichen ernst nehmen Neuss (dpa) - Häufige Angstgefühle
sind oft ein Anzeichen für eine ernsthafte psychische Erkrankung. Ohne
entsprechende Behandlung verselbstständige sich die Angst immer mehr
und führe zur «Angst vor der Angst», teilt der Berufsverband Deutscher
Psychiater in Neuss mit. Die Störungen hätten dabei viele Gesichter.
So halte die so genannte generalisierte Angststörung über mindestens
sechs Monate an und sei nicht auf spezielle Situationen beschränkt.
Bei Phobien lösten dagegen ganz bestimmte Objekte oder Umstände Angstgefühle
aus. Am heftigsten äußern sich Ängste den Angaben zufolge bei einer
Panikstörung: Innerhalb von Minuten steigere sich die Angst soweit,
dass es zu Erstickungsgefühlen, Herzrasen, Schwindel und Todesangst
komme. Bundesweit leiden den Experten zufolge rund fünf Prozent der
Bevölkerung unter Angststörungen. In der Regel seien diese mittlerweile
gut zu therapieren. Internet: www.psychiater-im-netz.de Depression der Deutschen: Gemütslage im Internet-Test Berlin (dpa) - Mit einem «Depressionsbarometer» im Internet wollen Wissenschaftler bis Mitte November die Stimmung und Gemütslage in Deutschland messen. Nach den bisherigen Ergebnissen waren die Deutschen Ende Juni in besonders schlechter Verfassung. Politisch war das die Zeit vor der Vertrauensfrage im Bundestag. Beste Laune zeigte das Barometer dagegen Ende Mai an - da wurde Angela Merkel (CDU) zur Kanzlerkandidatin gekürt. Die Barometer-Idee stammt aus der privaten Universität Witten-Herdecke. Dort störten sich Professorern der Psychologie und Wirtschaftswissenschaften am Schlechtreden des Standorts Deutschlands. «Deutschland ist überhaupt nicht so depressiv, wie wir vielleicht denken mögen», sagte Projektleiterin Katrin Glatzel am Dienstag in Berlin. Andererseits fühlten sich die Deutschen so schlecht wie noch nie seit der Nachkriegszeit. Das Depressionsbarometer soll nun Aufklärung schaffen. Es basiere auf seriösen wissenschaftlichen Methoden, agiere aber auch bewusst an der Grenze zur Kunstaktion, ergänzte Glatzel. Die Psychologie-Fragen, die es zu beantworten gilt, lauten unter anderem: «Ich blicke mit Freude in die Zukunft» oder «Ich kann mich an einem guten Buch freuen». Einen solchen Fragen-Katalog legten auch Psychologen ihren Patienten vor, berichtete die Projektleiterin. Bisher haben sich rund 1700 Internet-Surfer auf Depressionen testen lassen. «Diese Ergebnisse sind aber nicht repräsentativ», schränkte Kartin Glatzel. Im Sommer soll es deshalb noch eine zusätzliche Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts geben. Mitte November wollen die Organisatoren die Ergebnisse ihrer Kampagne dann in Berlin präsentieren Zur Zeit steht der Fühler des Depressionsbarometers bei Tageswerten um die 6 Punkte. Erreicht die Skala einen Wert von über 7 Punkte, bestehe der Verdacht auf eine Depression, heißt es in der Internet-Gebrauchsanweisung. Die Skala läuft bis zu einem Wert von 21. Die Erfinder des Barometers deuten Zwischenergebnisse aber nicht politisch, sondern eher profan: Am 23. Juni erreichte das Depressionsbarometer mit einem Mittelwert von 4,4 beispielsweise einen sehr niedrigen Stand. An diesem Tag, so die Erklärung im Internet, herrschte in ganz Deutschland schönes Wetter. Internet: www.depressionsbarometer.de Quelle: Netdoktor.de vom 06.07..2005 Depression: Bündnis will mehr Menschen aufklären Berlin (ddp). Das Berliner Bündnis gegen Depression will in der Hauptstadt mehr Menschen über diese seelische Krankheit aufklären. Es gebe immer noch zu viele Vorurteile gegenüber Menschen, die Depressionen haben, sagte die Leiterin des Bündnisses, Meryam Schouler-Ocak, am Freitag. Ihnen werde häufig vorgeworfen, sie seien «selbst schuld» oder rissen sich nicht genügend zusammen. Viele Betroffene wollten ihre Krankheit selbst nicht wahrhaben oder seien der Meinung, dass ihnen nicht geholfen werden könne. Ziel des Bündnisses sei es, den Wissensstand der Bürger über die Krankheit zu erweitern, sie mit den Symptomen vertraut zu machen und die guten Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, betonte Schouler-Ocak. Rund 80 Prozent der Erkrankten könne geholfen werden, aber nur 50 Prozent suchten überhaupt einen Arzt auf. Da für viele Menschen der Hausarzt der erste Ansprechpartner sei, müsse auch die Kompetenz von Hausärzten bei der Erkennung und Behandlung von Depressionen gestärkt werden. «In einer Zeit, wo Menschen die Orientierung verloren haben oder suchen, nehmen seelische Erkrankungen zu», sagte der Bezirksbürgermeister von Mitte, Joachim Zeller (CDU). Eine Depression könne jeden treffen. Die Krankheit mache vor keiner sozialen Schicht und ethnischen Herkunft halt. Schouler-Ocak sagte, die Kampagne richte sich insbesondere auch an Migranten. Sie seien besonderen Belastungen ausgesetzt, aber nur die Hälfte von ihnen habe überhaupt Zugang zum Gesundheitssystem. Zu den vom Bündnis geplanten Maßnahmen gehören Fortbildungen, Vorträge, Veranstaltungen sowie Ratgeberbroschüren und Plakate in deutscher und türkischer Sprache. Ein Seminar für türkische Hausärzte wurde nach Worten von Schouler-Ocak bereits abgehalten. (www.buendnis-depression.de) Quelle: Netdoktor.de vom 20.08.2005 Depressionen: Wie elektrische Impulse helfen Lund (ddp). Schwedische Wissenschaftler haben entdeckt, warum die so genannte Elektrokrampftherapie gegen schwere Depressionen hilft: Der bei dieser Methode künstlich erzeugte Kurzschluss im Gehirn regt das Wachstum neuer Blutgefäße und die Bildung neuer Nervenzellen an - und zwar genau in den Hirnarealen, die durch die Depressionen in Mitleidenschaft gezogen werden. Auf diese Weise verbessert sich der Sauerstoff- und Nährstofftransport, was wiederum zu einer Normalisierung der Gehirnaktivität in den betroffenen Bereichen beiträgt. Über die Arbeit von Johan Hellsten und seinen Kollegen von der Universität Lund berichtet der schwedische Wissenschaftsrat. Bei der Elektrokrampftherapie, auch Elektrokonvulsionstherapie oder Elektroschocktherapie genannt, wird das Gehirn eines unter Narkose stehenden Patienten mithilfe von Elektroden elektrisch gereizt. Dadurch entsteht ein interner Kurzschluss im Gehirn, der zwar dem während eines großen epileptischen Anfalls gleicht, aufgrund der Muskellähmung durch die Narkose jedoch keine Krämpfe verursacht. Die Folge ist eine deutliche Besserung der depressiven Symptome. Angewendet wird dieser Therapieansatz ausschließlich bei Patienten mit schwersten Depressionen, die unmittelbar lebensbedrohlich sind oder die auf alle anderen verfügbaren Therapien nicht ansprechen. Wie genau die Behandlung im Gehirn wirkt, war jedoch bislang nicht geklärt. Offenbar wirkt die elektrische Stimulation dem Schrumpfen bestimmter Gehirnbereiche entgegen, haben Hellsten und seine Kollegen bei Untersuchungen an Ratten nun entdeckt. Bei Patienten mit schweren, lang anhaltenden Depressionen verhindern erhöhte Mengen an Stresshormonen, dass sich im für Erinnerungen und Emotionen zuständigen Hippocampus neue Nervenzellen und deren Versorgungsgefäße bilden. Das führt auf Dauer zu einer deutlichen Größenabnahme dieser Hirnregion. Die Elektrokrampftherapie regt nun die Nervenzellen innerhalb des Hippocampus erneut zum Wachsen an und erhöht gleichzeitig die Produktion neuer Blutgefäße. Mit einer genaueren Kenntnis der biologischen Wirkung der Elektrokrampftherapie könnte der Einsatz der zum Teil sehr umstrittenen Behandlungsmethode noch zielgerichteter werden, hoffen die Forscher. Außerdem wollen sie nun nach alternativen Ansätzen suchen, die einen ähnlichen Effekt wie die elektrischen Impulse hervorrufen. Quelle: Netdoktor.de vom 14.09.2005 Chronisch Kranke: Begleitdepression behandeln München (netdoktor.de). Die Behandlung einer begleitenden Depression bei chronischen Erkrankungen lohnt sich. Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, ist oft depressiv und kann auch deshalb nicht mehr arbeiten. Allzu selten wird das psychische Leiden behandelt - trotz guter Erfolgsaussichten. Dies sind die Ergebnisse von Studien der Arbeitsgruppe um Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe an der Abteilung für Psychosomatik und Allgemeine Klinische Medizin der Universität Heidelberg. Die Wissenschaftler untersuchten Patienten, die an chronischem Rheuma oder Lungenhochdruck litten. Zehn bis 20 Prozent aller Patienten, die in Arztpraxen behandelt werden, leiden an einer Depression. Bei Klinikpatienten ist die Zahl noch höher. "Oft ist dies eine Reaktion auf die körperliche Krankheit und ihre Konsequenzen, etwa den Verlust sozialer Kontakte, " erklärt Dr. Löwe. Den Patienten fehlt der Antrieb, sie können sich nicht konzentrieren, schlafen schlecht und schaffen es nicht mehr, auf andere Menschen einzugehen. Auch Selbstmordphantasien kommen vor. Wie stark solche Depressionen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen, zeigt die Heidelberger Studie, die in Kooperation mit der Rheumaambulanz der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt wurde. Von knapp 360 Patienten mit einer milden rheumatischen Erkrankung waren rund fünf Prozent arbeitsunfähig. Kam eine psychische Störung dazu, waren es 17 Prozent. Bei schweren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen stieg die Quote der arbeitsunfähigen Patienten von 25 auf 50 Prozent, wenn gleichzeitig eine psychische Störung vorlag. Depressionen sind demnach ein unabhängiger Risikofaktor zur Entwicklung von Arbeitsunfähigkeit. "Die Untersuchung zeigte auch, dass nur jeder vierte Patient, der unter Depressionen oder einer Angststörung litt, ärztlich behandelt wurde", stellte Dr. Bernd Löwe fest. Eine zweite Heidelberger Studie bei Patienten mit Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) untermauert den Zusammenhang zwischen dem Krankheitsgrad und dem Auftreten von Depressionen oder Angststörungen. Der Lungenhochdruck kann bereits bei jungen Erwachsenen zu Schwindelgefühlen, Luftnot, verringerter Leistungsfähigkeit und Ohnmachtsanfällen führen. In Zusammenarbeit mit der Patientenorganisation "Pulmonale Hypertonie e.V." befragten die Heidelberger Wissenschaftler 164 Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet. Demnach litten durchschnittlich 35 Prozent an behandlungsbedürftigen psychischen Störungen; im schwersten Krankheitsstadium waren es bereits 61,9 Prozent. Auch hier, so Dr. Löwe, befanden sich nur 24 Prozent mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen in psychotherapeutischer oder medikamentöser Behandlung. "70 Prozent der depressiven Verstimmungen können mit Psychotherapie und/oder Medikamenten erfolgreich behandelt werden", betont Dr. Löwe. "Bei den restlichen 30 Prozent ist in den meisten Fällen zumindest eine Besserung zu erreichen." Quelle: Netdoktor.de vom 24.10.2005 Früherkennung bei depressiven Störungen Im weiteren Verlauf machen sich die Betroffenen selbst viele Vorwürfe und sehen z.B. die abnehmende berufliche Leistungsfähigkeit eher als Folge von Faulheit oder Charakterschwäche an. Manchmal fällt es auch Angehörigen oder Arbeitskollegen zuerst auf, dass der Betroffene reizbarer und empfindlicher geworden ist, sich sozial zurückzieht und das Interesse an früheren Aktivitäten verliert. "Gerade in dieser Phase wäre es aber wichtig, die richtige Diagnose zu stellen, damit rechtzeitig gegengesteuert werden kann", so Prof. Broocks in seinem Vortrag. Denn ohne entsprechende Behandlung kommt es bald zum Vollbild einer depressiven Episode mit deutlicher Abnahme der Arbeitsfähigkeit, schweren Schlafstörungen, Gewichtsverlust und lebensmüden Gedanken. Psychische Leiden sind mittlerweile auch die häufigste Ursache für eine vorzeitige Berufsunfähigkeit. "Dies hätte bei vielen Patienten verhindert werden können, wenn rechtzeitig eine konsequente Behandlung eingeleitet und ausreichend lange durchgeführt worden wäre." Es gäbe heute sehr gute medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungsstrategien. Auf entsprechenden Spezialstationen kämen darüber hinaus auch andere biologische Behandlungsmethoden zum Einsatz. "Am besten wäre es natürlich, wenn man bereits in der ersten Phase einer depressiven Entwicklung das Richtige tut, um dass Vollbild der Erkrankung oder gar eine Chronifizierung zu vermeiden. Prof. Broocks sprach ausführlich über die Bedeutung der körperlichen Fitness für einen ausgeglichenen Gehirnstoffwechsel. Der Rhythmus zwischen regelmäßiger körperlicher Aktivität auf der einen und Schlaf und Entspannung auf der anderen Seite müsse wieder hergestellt werden. In der abschließenden Diskussion gab es noch Fragen zu speziellen Behandlungsverfahren. Prof. Broocks versprach, dass er in absehbarer Zeit eine weitere Veranstaltung anbieten werde, in der die Wirkungs- und Anwendungsweise der wichtigsten Behandlungsverfahren besprochen werden soll. http://www.lichtblick-newsletter.de/ticker1869_06.html Depressionen: Frauen häufiger betroffen als Männer Berlin (ddp). Jeder fünfte Deutsche erlebt nach Schätzungen von Experten einmal im Leben eine behandlungsbedürftige Depression. Bei Frauen trete dies etwa doppelt so häufig auf wie bei Männern, sagte die Altersforscherin und Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charite, Isabella Heuser, der Nachrichtenagentur ddp. Depression sei heute eine Volkskrankheit. Und gerade bei Älteren werde sie häufig unterschätzt. Fast die Hälfte der Patienten auf der geronto-psychiatrischen Abteilung ihrer Klinik werde wegen einer Depression behandelt, berichtete die Expertin für Demenzkrankheiten. Dabei sei die Altersdepression kein spezifisches Krankheitsbild. Ältere und jüngere Erkrankte unterschieden sich vor allem darin, mit welchen Beschwerden sie zum Hausarzt gehen, wenn sie noch nicht wissen, dass sie an einer Depression erkrankt sind. Senioren kämen meist mit körperlichen Beschwerden oder sagten, «ich habe keinen Appetit mehr, nehme ab, kann nicht schlafen». Jüngere würden dagegen häufig gleich ihre psychologischen Probleme ansprechen, sagte Heuser. Die Ursache für die Depression sei aber meistens dieselbe - Stress. Die Zusammenhänge zwischen Depression und Demenz würden derzeit noch wissenschaftlich untersucht, erläuterte die Altersforscherin. Es gebe aber erste Hinweise darauf, dass Menschen, die häufiger an Depressionen gelitten hätten, ein höheres Risiko haben, früher an einer Demenz zu erkranken. Wenn Depressionen nicht erkannt und behandelt würden, hätten die Kranken oft eine lange Leidensgeschichte vor sich, sagte die Klinikleiterin. Bei alten, depressiven Männern gebe es zudem das höchste Suizidrisiko, sagte Heuser. Eine gute Depressionstherapie bestehe immer aus einer Kombination von Psychotherapie und einem Medikament, erläuterte Heuser. Anders als bei Demenz könnten Patienten mit Depressionen im Alter durch eine angemessene Behandlung wieder symptomfrei gemacht werden. Depressionen: Bei Johanniskraut auf die Dosierung achten Göttingen (ddp). Schlagen Stress, Probleme in der Partnerschaft oder das Wetter aufs Gemüt, greifen viele Menschen zu Johanniskraut. Der Wirkstoff ist in Apotheken und Supermärkten in Form von Tabletten oder Tees rezeptfrei erhältlich. «Eine Wirkung ist bei leichten oder mittelgradigen Depressionen nachgewiesen. Allerdings müssen die Patienten unbedingt auf die Dosierung achten», sagt Professor Peter Falkai, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Göttingen und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie. Falkai empfiehlt bei depressiven Symptomen, frei verkäufliches Johanniskraut immer in der im Beipackzettel angegebenen Höchstdosis zu nehmen. «Das entspricht meist 700 bis 900 Milligramm Johanniskraut pro Tag. Diese Menge sollte nach den angegebenen Vorschriften über vier Wochen eingenommen werden», betont Falkai. Präparate aus dem Supermarkt seien häufig sehr niedrig dosiert. Obwohl Johanniskraut pflanzlich ist, dürfte man nicht vergessen, dass es vergleichbar mit einem Psychopharmakon ist. «Entsprechend sind auch Nebenwirkungen wie eine leichte Benommenheit oder eine größere Empfindlichkeit der Haut in der Sonne möglich», sagt der Psychiater. Auch wenn Johanniskraut korrekt angewendet bei vielen Menschen eine stimmungsaufhellende Wirkung zeigt, empfiehlt Falkai bei ernsten Anzeichen für eine Depression einen Psychiater aufzusuchen - diesen würden viele unnötig lange hinauszögern. «Eine verschleppte Depression ist Stress für Seele und Körper und kann schwere gesundheitliche Folgen haben», betont Falkai. Zudem steigt die Selbstmordgefahr. «Und gerade bei ausgeprägteren Depressionen ist es eine Illusion, dass man sie mit Johanniskraut einfach so lösen kann», betont der Arzt. Akutes Alarmzeichen ist eine grundlose Missstimmung, die über mindestens 14 Tage hinweg kontinuierlich andauert. «Dazu können manchmal auch Symptome wie Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen oder Übelkeit kommen, die ein Patient gar nicht mit einer Depression in Verbindung bringt», sagt Falkai. Wird eine krankhafte Verstimmung diagnostiziert, hilft in der Regel eine individuell abgestimmte Psychotherapie in Kombination mit Medikamenten. Quelle: Netdoktor.de vom 20.03.2007
Einladung zur Tagung am Samstag, 10. November 2007 11:00 bis 14:30 Uhr in den Rheinischen Kliniken Bonn Selbsthilfe - gegenseitige Unterstützung, Erfahrungsaustausch und voneinander Lernen - das ist von Anbeginn an das Herzstück der Angehörigenbewegung, wie sie sich in der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie entwickelt hat. Selbsthilfegruppen gibt es inzwischen in allen Regionen Deutschlands und dies hat - auch - die psychiatrische Landschaft verändert. Waren es in der Gründungsphase vorwiegend Angehörige schizophren erkrankter Menschen, suchen in der letzten Zeit zunehmend auch Familien mit einem depressiv Erkrankten Rat und Hilfe in den Gruppen und den Beratungsangeboten der Selbsthilfe. Eine erfreuliche Entwicklung, doch wir erleben vor Ort, z.B. in den regionalen Bündnissen gegen Depression, auch Betroffene - Angehörige wie Erkrankte - die aufgrund der Erkrankung die Möglichkeiten der Selbsthilfe eher skeptisch sehen. Für sie stellt sich die Frage, wie sie im Austausch mit Gleichgesinnten ihre Kompetenz aus eigener Erfahrung für sich und andere nutzen können. Deshalb wollen wir mit dieser Veranstaltung eine erste Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu diskutieren, wie die Selbsthilfe für und mit depressiv Erkrankten und ihren Familien entwickelt und gestärkt werden kann. Veranstaltungsort: Rheinische Kliniken Bonn, Haus 10, Kaiser-Karl-Ring 20, 53111 Bonn. Organisatorisches und Anmeldeformular Depressionen: Yoga wirkt positiv auf das Gehirn
Depressionen: Menschen mit Schlafstörungen sind anfälliger
Leipzig (ddp). Quelle: Netdoktor.de vom 13.11.2009 Depression: Hirnstimulation statt Pillen schluckenHeidelberg (ddp). Ein Drittel der unter Depressionen leidenden Patienten spricht auf eine medikamentöse Therapie nicht an. Neurochirurgen des Universitätsklinikums Heidelberg haben nun weltweit erstmals eine schwer depressive Patientin erfolgreich mit einem Hirnschrittmacher behandelt. Dabei setzten im Gehirn hochpräzise eingesetzte Elektroden Strom frei, der kontinuierlich spezifische Hirnareale stimuliert. Bisher wurden Hirnschrittmacher nur bei Patienten eingesetzt, die an der Parkinson-Krankheit oder anderen Bewegungsstörungen leiden. Zwar sind bereits depressive Patienten mit der Elektrostimulation mit einigem Erfolg behandelt worden. Allerdings wurden hier zwei andere Hirnregionen stimuliert, die im Bereich des Großhirns lokalisiert sind. Die nun anvisierte sogenannte Habenula liegt weiter unten in Richtung Hirnstamm. «Wir haben uns für die Habenula entschieden, weil dort die zentrale Steuerung von wichtigen Nervenübertragungsstoffen erfolgt, die bei Depression gestört ist«, erklärt der Mannheimer Psychiater Alexander Sartorius vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. »Das Zielgebiet ist im Vergleich zu den anderen Hirnregionen, die typischerweise bei Bewegungsstörungen ins Visier genommen werden, um etwa die Hälfte kleiner und liegt zudem in der Hirnmitte», erklärt Karl Kiening, Sektionsleiter in der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Der Erfolg des Eingriffs wurde durch ein unfreiwilliges Abschalten der Elektrode bestätigt: Die 64 Jahre alte Patientin hatte einen Fahrradunfall und zur Vorbereitung der erforderlichen Operation war ein Elektrokardiogramm notwendig, wozu der Hirnschrittmacher abgeschaltet wurde. Nachdem er versehentlich für einige Tage nicht wieder aktiviert worden war, kehrte die Depression prompt zurück. Einige Wochen nach erneuter Aktivierung durch den Hirnschrittmacher hat sich der Zustand der Patientin wieder verbessert. Die Heidelberger Neurochirurgen planen nun eine klinische Studie, bei der die Habenula-Stimulation an fünf psychiatrisch-neurochirurgischen Zentren in Deutschland bei schwer depressiven Patienten zum Einsatz kommt. Quelle: Netdoktor.de vom 11.01.2010
Antidepressiva: Zuviel an Serotoninrezeptoren hemmt WirkungCambridge (ddp). US-Forscher haben möglicherweise entdeckt, warum Antidepressiva bei über der Hälfte der Patienten nicht oder nicht sofort anschlagen: Die Betroffenen haben vermutlich überdurchschnittlich viele Andockstellen für den Gehirnbotenstoff Serotonin an bestimmten Nerven in ihrem Hirnstamm. Kommen diese als Rezeptoren bezeichneten Andockstellen mit dem Botenstoff in Kontakt, drosseln sie die Eigenproduktion von Serotonin im Gehirn. Eine künstliche Erhöhung des Serotoninspiegels, die durch viele Antidepressiva herbeigeführt wird, hat in solchen Fällen also kaum eine Wirkung, weil sie zu einem Stopp der Serotoninbildung führt und damit im Endeffekt keine echte Erhöhung des Spiegels erreicht. Zwar stammten die Ergebnisse bisher lediglich aus Versuchen mit Mäusen, es gebe jedoch bereits Hinweise auf einen ähnlichen Mechanismus beim Menschen, schreibt das Team um Jesse Richardson-Jones von der Columbia-Universität in New York im Fachmagazin «Neuron» (Bd. 65, S. 40). Serotonin gilt als Schlüsselfaktor sowohl beim Entstehen als auch beim Behandeln einer Depression. Der Botenstoff wirkt, indem er wie ein Schlüssel in ein Schloss an speziell geformte Eiweiße, die sogenannten Serotoninrezeptoren, auf den Oberflächen der Nervenzellen andockt. Ein höherer Serotoninspiegel wirkt dabei nach aktuellem Stand des Wissens einer Depression entgegen, ein Zusammenhang, den auch die meisten Medikamente gegen Depressionen wie beispielsweise die sehr häufig verwendeten «Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer» (SSRIs) ausnutzen, indem sie den Serotoninspiegel künstlich erhöhen. Die Serotoninrezeptoren haben im Gehirn allerdings zwei völlig unterschiedliche Funktionen: In den meisten Bereichen vermitteln sie die antidepressive Wirkung des Botenstoffs und eine Zunahme der Rezeptoranzahl würde hier den Effekt steigern. Sitzen sie jedoch auf den Nerven im Hirnstamm, die für die Serotoninproduktion zuständig sind, haben sie genau die entgegengesetzte Wirkung: Dort überwachen die Rezeptoren den Serotoninspiegel und drosseln die Neuproduktion des Botenstoffs, wenn dieser ansteigt. Je mehr Rezeptoren dabei vorhanden sind, desto geringere Serotoninspiegel reichen aus, um die Neubildung zu unterdrücken. Bereits früher gab es den Verdacht, dass Menschen, die sehr viele dieser sogenannten Autorezeptoren besitzen, schlechter auf Antidepressiva ansprechen. Untersuchen ließ sich das allerdings nicht, weil jeder Versuch, die Autorezeptoren zu beeinflussen, gleich auch alle anderen Serotoninrezeptoren mit erfasste. Jetzt gelang es Richardson-Jones und ihren Kollegen jedoch, Mäuse gentechnisch so zu verändern, dass sie die Zahl der Autorezeptoren in deren Gehirnen gezielt erhöhen und verringern konnten. Und tatsächlich: Mäuse mit überdurchschnittlich vielen Autorezeptoren reagierten kaum oder gar nicht auf einen SSRI. Wurde die Zahl jedoch gesenkt, stellte sich die Wirkung relativ schnell ein. Sollte es gelingen, das Prinzip auch beim Menschen nachzuweisen, könnte schon vor einer Behandlung getestet werden, ob ein Betroffener auf die Medikamente anspricht oder nicht, schreiben die Forscher. Zudem bestehe die Hoffnung, dass sich die Autorezeptoren mit Hemmstoffen ausschalten lassen. Quelle: Netdoktor.de vom 14.01.2010
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