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München (dpa) - Rund 2,3 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter krankhafter Angst. Zu diesem Ergebnis kommt eine breit angelegte Studie der Technischen Universität Dresden und des
Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. Demnach leiden 27
Prozent der Patienten von Hausärzten unter wochenlangen Angstbeschwerden und ängst- licher Anspannung. Bei rund 5,3 Prozent der Patienten liege das Vollbild einer behandlungs- bedürftigen so genannten Generalisierten Angststörung vor, sagte Studienleiter Prof. Hans-Ulrich Wittchen (Dresden) am Montag bei der Vorstellung des Projekts in München. Damit sei die Generalisierte Angststörung (GAS) neben der ausgeprägten Depression (5,6 Prozent der Allgemeinarzt-Patienten) die häufigste psychische Erkrankung, mit der die Allgemeinärzte konfrontiert seien. Die behandlungsbedürftige Angststörung werde jedoch von den Hausärzten in rund zwei Drittel aller Fälle nicht erkannt, berichtete Wittchen. Solche Angststörungen, die früher als Angstneurose bezeichnet wurden, seien keinesfalls nur eine chronische Befindlichkeitsstörung, sondern eine ernsthafte Erkrankung mit zum Teil gravierenden Folgen, betonte der Direktor des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität Dresden ist. Bei Nichtbehandlung könnten Angststörungen zu schweren Depressionen, gravierenden Einschränkungen in allen Lebens- bereichen und dauerhafter Arbeitsunfähigkeit führen. Bei der Studie wurden an einem Stichtag im vergangenen Jahr in Allgemeinarztpraxen mehr als 550 Ärzte und über 20 000 Patienten befragt. Es handele sich um die weltweit bisher größte Untersuchung dieser Art zu Angststörungen, sagte Wittchen. Frauen sind nach seinen Worten mehr als Männer betroffen. Sie wüssten meist selbst nicht, dass sie krank seien. Die Betroffenen würden dem Arzt gegenüber oft nur einige Symptome wie Schlafstörungen, Muskelverspannungen, Nervosität oder ständiges zwanghaftes Grübeln erwähnen, erläuterte Wittchen. Zur Behandlung komme neben einer Psychotherapie auch eine Behandlung mit bestimmten, dafür geeigneten Medikamenten in Frage. Tatsächlich verschrieben die Hausärzte oft aber Mittel mit fraglicher Wirksamkeit wie pflanzliche Mittel oder Beruhigungsmittel, die bei längerer Einnahme mit einer hohen Suchtgefahr verbunden seien. (ee)
Heiligenstadt (dpa) - Seelische Gesundheit muss nach Meinung von Gesundheitsminister Frank-Michael Pietzsch (CDU) stärker in den Mittelpunkt öffentlichen Bewusstseins rücken. Richtig gesund fühle sich der Mensch nur, wenn
auch seine Seele gesund sei, sagte Pietzsch am Montag zur Eröffnung der 9. Thüringer Gesundheitswoche in Bad Heiligen- stadt. Nach Schätzungen von Experten machen etwa 20 bis 25 Prozent aller Menschen mindestens einmal in ihrem Leben eine psychische Erkrankung durch. Betroffen seien Menschen jeden Alters und jeder sozialen Schicht. Ein Prozent aller Menschen erkranke an
einer schizophrenen Psychose, sagte der Minister. Bei depressiven Erkrankungen schwanke die Rate je nach Alter und Geschlecht zwischen 10 und 30 Prozent. Zum Vergleich: 5 Prozent der Bevölkerung leide an Diabetes, 5 Prozent der Erwachsenen und 10 Prozent der Kinder an Asthma, 5 bis 6 Prozent erleiden einen Schlaganfall. Psychopharmaka gehörten zu den am meisten verordneten Medikamenten. Seelische Erkrankungen rangierten bei Rehabilitationen vor Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems und der Atmungsorgane. Von den Thüringern, die wegen verminderter Erwerbstätigkeit Frührente beziehen, sind 2,9 Prozent Männer und 5,8 Prozent Frauen psychiatrisch erkrankt. Wichtig sei die Früherkennung der Erkrankung, sagte Pietzsch. Viele psychische Krankheiten würden schleichend mit kleinen Veränderungen, mit Missbefindlichkeiten und Störungen im täglichen Leben beginnen. "Wer bei sich oder bei nahe stehenden Menschen Anzeichen seelischer Erkrankungen entdeckt oder vermutet, sollte sich nicht scheuen, Hilfe zu suchen." Körperliches und psychisches Wohlbefinden ergänzten sich gegenseitig. Hinter körperlichen Symptomen würden sich oft seelische Leiden verbergen. Seelische Krankheiten würden jedoch häufig vertuscht, aus Angst von Nachbarn, Kollegen und Freunden gemieden zu werden. Die Thüringer Gesundheitswoche bietet rund 400 Veranstaltungen zu dem Thema an. Es gibt landesweit sozialpsychiatrische Dienste und 15 psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen. Mit dem für dieses Jahr vorgesehenen Trägerwechsel der drei psychiatrischen Landesfachkrankenhäuser erhofft sich Pietzsch eine Verbesserung der psychiatrischen Betreuung und Investitionen in Millionenhöhe. (ee)
Wien - Einem Team von Wissenschaftern am Wiener
Allgemeinen Krankenhaus ist es nun erstmals gelungen, eine molekularbiologische Störung von im Gehirn wirksamen Seroto- nintransporter-Molekülen bei Magersucht nachzuweisen. Das berichtet "Der Standard". Die
Ergebnisse dieser Studie wurden vor kurzem in der renommierten US-Zeitschrift Biological Psychiatry veröffentlicht. Dabei kam heraus, das anregende Nerven-Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin eine Schlüsselrolle bei der Steuerung des menschlichen Essverhalten spielen. Die vorliegende Studie beweist nun erstmals direkt, dass es bei Bulimie zu einem Mangel an zentralen Serotonintransportern im Gehirn kommt. Die Fachleute verwendeten bei ihren Studien die Single-Photon-Emission-Computertomographie (SPECT), mit der Stoff- wechselvorgänge im Körper bildlich dargestellt werden können. Sie konnten so die Transporterdichte von Bulimiepatientinnen messen und mit der von gesunden Kontroll- personen, die niemals an einer Essstörung oder einer anderen psychiatrischen Erkrankung litten, vergleichen. Die Patientinnen waren im Durchschnitt fünf Jahre krank gewesen, bevor sie an der Untersuchung teilnahmen. Das Defizit an den Serotonintransporter-Substanzen war umso ausgeprägter, je länger die Krankheit bestand. Interessanterweise waren sowohl Serotonin- als auch Dopamintransporter bei den Bulimiepatientinnen vermindert. Essstörungen werden derzeit mit psychotherapeutischen Verfahren und medikamentös behan- delt. Für Letzteres werden vor allem Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmerverwendet. Diese helfen, einen Mangel im Serotonin-Stoffwechsel zu beheben. Der Mangel an den Substanzen erkläre auch, warum die Antidepressiva bei der Bulimie wirken. (sg)
Erster Weltkongress: Weibliche Psyche im Blickpunkt
Berlin (netdoktor.de) - Frauen leiden häufiger an psychischen Erkrankungen wie Depres- sionen, Schizophrenie oder Essstörungen als Männer. Aber auf den "kleinen Unterschied" im Gehirn achten Ärzte in der Praxis bisher zu
wenig. In Berlin diskutieren jetzt vom 27. bis 31. März rund 2000 Ärzte und Forscher auf dem "First World Congress on Womens`s Health" speziell über die psychische Gesundheit der Frauen. Denn der "kleine Unterschied" kann dramatische Folgen haben. Das weibliche Gehirn ist zwar um zehn Prozent kleiner als das männliche, jedoch deutlich besser durchblutet. Wenn Frauen also Antidepressiva oder Beruhigungsmittel einnehmen, werden mehr Wirkstoffe ins Gehirn
geschwemmt. Da solche Medikamente bisher hauptsächlich an Männern getestet wurden, sind die Dosierungen auf diese eingestellt. "Frauen werden zum Teil seit Jahrzehnten mit Psychopharmaka überdosiert", kritisiert Kongresspräsident Mario Lanczik von der Psychiatrischen Universitätsklinik Nürnberg-Erlangen. Blutspiegelbestimmungen der Medikamente sind daher gerade bei Frauen wichtig. Hauptursache für das höhere Erkrankungsrisiko der Frauen sind Hormon- schwankungen,
insbesondere des Östrogens. Das Hormon hat großen Einfluss auf Boten- stoffe wie Serotonin, die motivierend, belebend und aufheiternd wirken. In der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus fällt der Östrogenspiegel rapide ab. Mit der Folge, dass der Antriebsspender Serotonin fast versiegt. "Während dieser Phase sind Frauen anfälliger", so Mario Lanzik. "Rund drei Viertel aller Frauen leiden dann mindestens unter einem psychischen Symptom wie depressive Verstimmung, Reizbarkeit, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit." Oft seien die Beschwerden so stark, dass eine ärztliche Behandlung erforderlich wäre. Doch nur sieben Prozent der Betroffenen suchen deswegen einen Arzt auf. (as)
Depression: Neunzig Prozent der Patienten nicht richtig behandelt
München (netdoktor.de) – Vier Millionen Deutsche leiden unter Depressionen, aber etwa neunzig Prozent aller
Patienten werden nicht richtig behandelt, sagte Prof. Ulrich Hegerl, Sprecher des Großforschungsprojektes Kompetenznetz 'Depression'.
"Obwohl die Krankheit mit Antidepressiva und Psychotherapie erfolgreich zu behandeln ist, erhalten derzeit nur etwa zehn Prozent aller Betroffenen eine Therapie, die dem Stand der Forschung entspricht", erklärte Hegerl anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April 2001 . Eine Fortbildung von Hausärzten könnte nach Erkenntnissen der Kompetenznetz-Wissenschaftler die Behandlungssituation depressiver Menschen entscheidend verbessern. Denn Depressionen würden in 50 Prozent aller Fälle nicht erkannt. Die Diagnose gestalte sich auch deshalb schwierig, weil viele Patienten im Arztgespräch nur über körperliche Beschwerden klagten. Erst durch gezieltes Nachfragen könne der Hausarzt eine Depression zu erkennen. "Depression ist keine Befindlichkeitsstörung, sondern eine ernst zu nehmende Krankheit", betonte Hegerl. Auch die Wahrnehmung der Krankheit in der Öffentlichkeit sei problematisch. Gemäß der Devise "Jeder ist mal depressiv" würden die Erkrankung und die Leiden der Betroffenen häufig verharmlost, obwohl sie sogar lebensbedrohlich verlaufen könnten. "Psychisch Kranke werden in unserer Gesellschaft immer noch anders behandelt als körperlich Kranke", sagte Hegerl. Etwa 15 Prozent aller Patienten mit schweren Depressionen nahmen sich im Laufe ihrer Krankheit das Leben. 1999 wurden in Deutschland 11.157 Selbstmorde gezählt. Damit liegt die Zahl der Suizidopfer weit über der Zahl der Verkehrstoten von 7.749. Weltweit steht die Depression zahlenmäßig an der Spitze dieser Krankheiten mit neuropsychiatrischem Ursprung. "Wir begrüßen die Kampagne der Weltgesundheitsorganisation WHO, im Jahr 2001 auf die psychischen Erkrankungen und die bestehenden Behandlungsdefizite aufmerksam zu machen", äußerte Hegerl. Depressive Störung äußern sich durch Symptome wie tiefe Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Interessenverlust. (im)
Frankfurt/Main (dpa) - Zweieinhalb Jahre nach in Kraft treten des
Psychotherapeuten-Gesetzes gibt es nach Ansicht des Deutschen Dachverbandes für Psychotherapie (DVP) eine Drei-Klasse-Medizin. So bekämen Privatpatienten sofort einen Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten. Versicherte von Ersatzkassen müssten dagegen ein halbes Jahr warten, Mitglieder von Primärkassen wie der AOK bis zu einem Jahr, sagte Ulrich Sollmann vom Vorstand des DVP am Freitag in Frankfurt. Grund dafür seien ein Mangel an zugelassenen Therapeuten und die geringen Honorare der
Kassen. Daher werde der Beruf des Psychotherapeuten auch immer unattraktiver, warnte die Präsidentin des Europäischen Verbandes für Psychotherapie, Cornelia Krause- Girth. "Auf Dauer droht ein Versorgungsnotstand", sagte die Professorin für Sozialpsychiatrie an der Fachhochschule Frankfurt. Der Mangel an zugelassenen Psychotherapeuten sei von dem 1999 in Kraft getretenen Psychotherapeutengesetz verursacht worden, kritisierte der DVP. Das Gesetz legt fest, dass nur Diplom-Psychologen
oder Mediziner nach einer entsprechenden Zusatzausbildung als Psychotherapeuten zugelassen werden dürfen. Nach Angaben des DVP gab es aber vor dem Gesetz viele Psychotherapeuten, die vor der Zusatzausbildung beispielsweise Theologie, Soziologie oder Sozialpädagogik studiert hätten. Sie seien genauso qualifiziert, würden aber als Psychotherapeuten nicht mehr zugelassen und damit auch nicht von den Krankenkassen anerkannt. Die Einschränkung auf Mediziner und Psychologen verschärfe somit die
Unterversorgung. (bs)
München (dpa) - Nach Einschätzung der bayerischen Sozialministerin Christa Stewens (CSU) leidet jeder vierte
Mensch mindestens einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung. Die Diskriminierung von psychisch Kranken müsse endlich der Vergangenheit angehören, forderte die Ministerin in München anlässlich des Internationalen Tages der seelischen Gesundheit an diesem Mittwoch. Nach Angaben des Sozialministeriums können sich psychisch Kranke im Freistaat in 46 dezentralen Einrichtungen behandeln lassen. Seit 1991 stünden auch 28 Tageskliniken mit 655 Plätzen zur Verfügung. (bs)
Angsterkrankungen:
Zu selten erkannt, zu selten therapiert
Berlin
(dpa) - Angsterkrankungen sind weit verbreitet, aber Hausärzte
erkennen sie selten und therapieren sie noch seltener. Darauf
wiesen Psychiater am Freitag in Berlin auf dem Jahreskongress
der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie
und Nervenheilkunde (DGPPN) hin. Weil eine den normalen Lebensvollzug
behindernde Angst auch auf genetischen oder stoffwechselbedingten
Faktoren beruhen kann, würden in 60 Prozent der Fälle allein
schon Medikamente helfen, sagte Reinhard Boerner von der Angstambulanz
der Ludwig-Maximilians-Universität München. Boerner plädierte
auf dem am Sonnabend zu Ende gehenden Kongress dafür, Angst
reduzierende Medikamente häufiger als bisher einzusetzen.
Diese müssten allerdings relativ lange eingenommen werden,
innerhalb von zwölf Wochen würden die Symptome verschwinden.
Fachärzte räumten auf dem von 1500 Experten besuchten Kongress
allerdings ein, dass Angst schwer zu diagnostizieren sei,
da sich ihre unterschied- lichen Formen oftmals überlappen
und sich häufig mit Depressionen, Schlafstörungen und Panik
vermischten. Mediziner unterscheiden bei Angststörungen die
spezifische Phobie (die Angst vor engen und vollen Räumen
beispielsweise), die soziale Phobie (das ist die Angst, sich
zu blamieren), die Panik und die generalisierte Angst. Letztgenannte
ist eine allgemeine, übertriebene Sorge (meist um das Wohlergeben
von Familienmitgliedern), die die Betroffenen endlos grübeln
lassen. Nach Angaben von Borwin Bandelow von der Klinik für
Psychiatrie der Universität Göttingen sind im Laufe eines
Jahres je nach spezifischer Angstform zwischen 3,1 (generalisierte
Angst) und 8,8 Prozent (Phobie) der erwachsenen Bevölkerung
betroffen. Im Laufe ihres Lebens sind gut ein Viertel der
Bevölkerung mal kurz, mal länger mit einer oftmals unerklärlichen
Angst oder Phobie belastet. "Traumatische Kindheitserlebnisse
und falsche Erziehung werden heute nicht mehr allein als Ursache
angesehen", sagte Bandelow. Eindeutig seien auch genetische
und endokrinologische, also den Stoffwechsel betreffende Ursachen,
mit beteiligt. Eine Angststörung zeige sich zudem oft nicht
als solche. Eine Panik mit Herzrasen, Zittern und Schwitzen
könne zunächst als Herzinfarkt missdeutet werden. (hk)
Angststörungen:
zweithäufigste psychiatrische Krankheit
--- Berlin
(ddp). Angststörungen treten öfter auf als allgemein vermutet.
Nach den Depressionen sind sie das zweithäufigste psychiatrische
Krankheitsbild, erklärte Reinhard Boerner von der Psychiatrischen
Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München auf dem
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie
und Nervenheilkunde in Berlin. Jeder Vierte erkranke einmal
im Leben an einer Angststörung, fügte Boerner hinzu. Nach
Darstellung der Mediziner werden höchstens zehn Prozent der
Patienten mit Angststörungen auch medikamentös behandelt.
Dabei belegten inzwischen zahlreiche Studien, dass insbesondere
moderne Psychopharmaka, die weniger Nebenwirkungen hätten
als ihre Vorgänger, äußerst Erfolg versprechend seien. Doch
in der Praxis würde meist reine Psychotherapie - oft Verhaltenstherapie
- verordnet. Diese eindimensionale Behandlung entspreche nicht
den "mehrdimensionalen Störungen", kritisierte Boerner.
Neben psychischen Ursachen spielten bei Angststörungen auch
genetische und stoffwechselbedingte Faktoren eine Rolle, die
sich mit Medikamenten direkt behandeln lassen. Mit Antidepressiva
ließen sich Angststörungen "effektiv,
kostengünstig und mit längerfristiger Wirkung behandeln",
hob der Experte hervor. Diese verfügbare Therapie werde noch
viel zu selten genutzt. Psychotherapeutische und medikamentöse
Behandlungsformen müssten als gleichwertig und sich ergänzende
Möglichkeiten gesehen werden. Bei der allgemeinen Angststörung
stehen vom Patienten als irrational empfundene Sorgen - wie
berufliches Versagen oder Krankheit - im Vordergrund, wie
der Mediziner erläuterte. Zudem litten die Betroffenen unter
Reizbarkeit, innerer Unruhe, Schlaf- und Konzentrationsstörungen.
Phobien sind Ängste, die an bestimmte Situationen gebunden
sind wie Flug- und Höhenängste. Bei der sozialen Phobie fürchten
Patienten Situationen, bei denen sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit
stehen. Zusätzlich entwickeln sich meist depressive Symptome
oder eine Suchterkrankung, wie Boerner betonte. Nur wenige
Patienten würden unter einer isolierten Angststörung leiden.
Allen gemeinsam sei eine ängstliche Stimmung, negative Gedanken
und körperliche Missempfindungen.
Berlin
(ddp). Sie hassen sich so sehr und durchleben so quälende
Anspannungen, dass sie sich zur "Hilfe" selbst schwer
verletzen - mit scharfen Messern oder brennenden Zigaretten.
Borderline-Patientinnen können ihre Emotionen nicht regulieren.
Sie durchleben große Stimmungsschwankungen und Situationen
der eigenen Missachtung. Aus kleinsten persönlichen Enttäuschungen
- die beste Freundin hat gerade keine Zeit - werden existenzielle
Bedrohungen: "Keiner mag mich, keiner will mich."
Folge dieser gestörten Emotionsregulation sind Selbstverletzungen,
Selbstmordversuche, Drogenmissbrauch, Essstörungen und letztlich
eine völlig instabile Lebenssituation. Die Ursachen dieser
psychischen Erkrankung sind noch weitgehend ungeklärt...
(naps).
Das Beratungsnetz.de lädt am Mittwoch, 12. Juni 2002 zum Themenchat
"Borderline - Persönlichkeitsstörungen" ein. Ab
20.30 Uhr steht der Borderline-Experte Dr. Christian Stiglmayr
(FU Berlin) Rede und Antwort. Der Chat hat das Ziel, alle
teilnehmenden User über die Symptome dieser Erkrankung und
Heilungsmöglichkeiten zu informieren, Betroffenen und Angehörigen
mögliche Wege aus der Krise aufzuzeigen, und Fragen der Anwesenden
zu beantworten. http://www.das-beratungsnetz.de
Baierbrunn
(ddp). Schlafmittel dürfen niemals zusammen mit Alkohol eingenommen
werden, Alkohol mache diese Medikamente unberechenbar, warnt
die "Apotheken Umschau". Die Wirkung könnte drastisch
verstärkt oder gar umgekehrt werden: Verstärkte Unruhe wäre
die Folge. Pflanzliche Schlafmittel werden am besten etwa
eine Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen, leichte synthetische
Mittel eine halbe Stunde vorher und starke unmittelbar bevor
man sich hinlegt. Generell sind Schlafmittel jedoch nur für
den Ausnahmefall gedacht, wenn der Schlaf sich absolut mal
nicht einstellen will.
Globalisierung und Terror: Neue Ängste, über die keiner reden will
München (dpa) - Die Globalisierung und Terroranschläge wie in den USA oder der Amoklauf von Erfurt haben nach Erkenntnis von Psychologen zu neuen Ängsten geführt. "Der Einzelne tendiert dazu, sich einsamer zu fühlen", über Ängste und Gefühle zu sprechen komme in der Gesellschaft kaum vor, sagte Prof. Ulrike Lehmkuhl (Berlin) zur Eröffnung des 22. Internationalen Kongresses für
Individualpsychologie (6. bis 10. August) am Dienstag in München. Zur Bewältigung von Konflikten forderte sie die Einrichtung von Gesprächsrunden im Pflichtunterricht an den Schulen. Die Schüler müssten lernen, über ihre Höhen und Tiefen zu reden. Unter den Jugendlichen haben die Psychologen zwei Tendenzen festgestellt, mit denen diese ihre Probleme abreagieren: sie flüchten sich in die Spaßgesellschaft oder leben Gewalt in Schule oder Familien aus. "Sie benützen dabei nicht immer
Fäuste, sondern die Sprache wird zunehmend gewaltsam", sagte der Psychologe Albrecht Stadler. Ziel der Individualpsychologie sei es, nicht nur psychische Krankheiten wie Depressionen zu behandeln, sondern Ängste und Gewalt durch Erziehung vorbeugend zu verhindern. Die Individualpsychologen, die das Fach nach der Lehre des Psychologen Alfred Adler (1870-1937) ausrichten, haben ihren Kongress unter das Motto "Der Einzelne und die Gesellschaft" gestellt. Zu dem Kongress sind rund
300 Wissenschaftler aus 17 Ländern nach München gekommen. Sie bemängeln, dass in allen Gesellschaften über Verzweiflung, Wut, Angst und Aggression nicht offen gesprochen werde. So könne kein Arbeitnehmer in seiner Firma Angst über den Verlust seines Arbeitsplatzes offen artikulieren, ohne Gefahr zu laufen, zum Opfer zu werden. Lehmkuhl: "Wir sind nicht alle strahlende Helden, wir müssen auch darüber sprechen was uns bedrückt."
Mannheim (ddp). Der Genuss von Cannabis kann das Entstehen bestimmter psychischer Erkrankungen begünstigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentralinstituts
für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. Besonders bei Schizophrenie stellten die Forscher fest, dass der Konsum der Droge die Krankheit früher auslöst. Für die Diskussion über die Legalisierung von Cannabisprodukten sei "diese Information von einigem Interesse", betonte Professor Heinz Häfner. Generell bemerkten die Wissenschaftler, dass die Symptome einer Psychose durch Cannabiskonsum verstärkt werden.
Bad Homburg
(gmpr). Das Unternehmen Lilly Deutschland GmbH würdigt auch
in diesem Jahr wieder herausragende Leistungen, die wesentlich
zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Entstigmatisierung
von schizophren Erkrankten in der Gesellschaft beitragen.
Mit dem neuen Namen Lilly Schizophrenia Awards - Innovative
Konzepte für neue Perspektiven setzt das Unternehmen ein Signal
für die Anerkennung vieler Menschen, die - oftmals im Stillen
- den Erkrankten neue Hoffnung und Perspektiven eröffnen.
Professionelle Fachkräfte und ehrenamtlich oder privat Engagierte
aus allen Bereichen der Psychiatrie, Psychologie, Sozial-
und Gemeindearbeit und Rehabilitation sowie Journalisten sind
aufgerufen, ihre Beiträge einzureichen. Der diesjährige Schwerpunktpreis
widmet sich dem Thema Kognition - Für das "Wieder-klar-denken-können",
da Denken, Erinnern, Wahrnehmen und Begreifen
wesentliche Voraussetzungen für die Erkrankten im Alltag sind.
Die Förderung kognitiver Fähigkeiten ist von zentraler Bedeutung
für die subjektive Lebensqualität der Patienten, da erst durch
sie ein alltägliches Leben und damit auch die Rückkehr in
Beruf und Gesellschaft möglich ist. Die Erkrankten selbst
erachten die Verbesserung der Konzentration, des Verstandes
und des klaren Denkens als wichtigste Ziele innerhalb der
Therapie. Dies ergab eine Umfrage bei 450 Schizophrenie-Patienten
in zwölf europäischen Ländern aus dem Jahre 2000. Bis zum
30. September 2002 können sich sowohl Einzelpersonen als auch
Gruppen aus den Bereichen Journalismus sowie Klinische Medizin,
Pflege, Sozial- und Gemeindearbeit mit ihren Arbeiten und
Projekten bewerben oder von Dritten nominieren lassen. Voraussetzung
ist, dass die Bewerber im Laufe der Jahre 2001 oder 2002 an
Projekten für schizophren Erkrankte mitgewirkt haben. Journalisten,
die im genannten Zeitraum Beiträge publiziert und damit zu
mehr Verständnis für die Erkrankung und die Betroffenen beigetragen
haben, werden ebenfalls ausgezeichnet. Eine unabhängige Experten-Jury
aus Fachexperten, Vertretern des Bundesverbandes der Angehörigen
psychisch Kranker (BApK) und Journalisten wird die eingesandten
Vorschläge bewerten. Kontakt und Bewerbungsunterlagen: Gianni
& Meissner Public Relations GmbH, Sömmerringstr. 23, 60322
Frankfurt, Tel. 0 69 / 90 55 96 -58, Fax 0 69 / 90 55 96 -50,
E-Mail: K.Suttmann@gmpr.de,
H.Mueller@gmpr.de
Ausbildungs-Modell:
Psychische Hilfe am Sterbebett
Heidelberg
(pte) - Ein Modellprojekt der Abteilung für Medizinische
Psychologie am Heidelberger Universitätsklinikum entwickelt
neue Ausbildungsangebote zur Unterstützung von Sterbebegleitern
und hat ihre Wirksamkeit untersucht. Das Projekt "Förderung
und Evaluation psychosozialer und spiritueller Kompetenz in
der Sterbebegleitung" wird von der Deutschen Krebshilfe
mit rund 264.000 Euro unterstützt. "Ärzte,
Pflegende und ehrenamtlich Tätige, die schwer kranke
Menschen und Sterbende betreuen, sind oft mit moralisch-ethischen
Grenzfragen sowie mit den existenziellen und spirituellen
Nöten der ihnen anvertrauten Patienten konfrontiert.
In ihrer Ausbildung werden sie darauf kaum vorbereitet",
berichtet Eva Saalfrank von der Abteilung für Medizinische
Psychologie an der Heidelberger Uniklinik. "Die Anforderungen
dabei sind groß. Um die psychischen Bedürfnisse
der Patienten zu verstehen, ist ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen
erforderlich, wenn etwa die Suche nach dem Sinn des eigenen
Lebens oder der Wunsch, am Leiden reifen zu können, in
den Vordergrund rückt", erklärt die Forscherin.
Fragen, die sich über körperliche Beschwerden hinaus
mit Dimensionen des menschlichen Seins beschäftigen,
müssten beantwortet werden. "Wer die eigenen Ängste
nicht reflektiert, läuft Gefahr, sich angesichts menschlicher
Endlichkeit aus Selbstschutz den Ängsten und Leiden anderer
Menschen zu verschließen", so die Projektleiterin.
Das Modellprojekt hat mehrere Teile, die mit Methoden der
"Experimentierenden Evaluation" untersucht werden.
"Spiritual Care - Mitgefühl und Weisheit in der
Begleitung Sterbender" ist ein Ausbildungsprogramm, das
von der amerikanischen Hospiz-Expertin Christine Longaker
entwickelt wurde und es werde bereits mit großer Resonanz
am Heidelberger Universitätsklinikum erprobt, erklärt
Saalfrank. "Das Programm trainiert die Fähigkeit
zur Einfühlung durch Einüben von Gelassenheit und
Fürsorglichkeit vor allem sich selbst gegenüber."
Im Forschungsprojekt sollen die Didaktik, die Nachhaltigkeit
und die Akzeptanz von Meditationsmethoden und Imaginationen
näher untersucht werden, damit das Angebot langfristig
in den Alltag integriert werden kann. Das Forscherteam will
religionsübergreifend eine heilsame Grundstruktur von
Spiritualität in einer multikulturellen und individualisierten
Gesellschaft bewusst machen. Ein anderer Teil beschäftigt
sich mit "Musiktherapeutische Selbsterfahrungsgruppen".
"Auch Musik kann Einfühlungsvermögen und die
Fähigkeit zum Zuhören fördern." Die Forschungsgruppe
untersucht, ob Musik in Krankenhäusern sowie bei der
Fortbildung von Pflegenden, Ärzten und Ehrenamtlichen
dazu beitragen kann, mehr Behutsamkeit und Achtsamkeit beim
Umgang miteinander im Umfeld der modernen Hochleistungsmedizin
zu entwickeln", meint Saalfrank. Ein Netzwerk, das als
Plattform zum Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen
den Menschen konzipiert ist, soll Abgrenzungen zwischen den
Einrichtungen und Berührungsängste überwinden
lassen. Ein dritter wichtiger Teil ist die Förderung
des Informations- und Erfahrungsaustausches. Ein "runder
Tisch" soll zu Transparenz und Netzwerkverknüpfungen
zwischen den verschiedenen Einrichtungen der Stadt führen,
in denen Schwerstkranke bis zum Tode begleitet werden. Diese
Plattform soll helfen, eventuelle Abgrenzungen zwischen den
Einrichtungen, Versorgungslücken und Berührungsänste
zu überwinden.
Quelle: Netdoktor.de
vom 28.10.2002
Jena
(dpa) - Etwa jeder fünfte Bundesbürger kämpft
nach Expertenschätzungen mit krankhaften Ängsten.
«Angststörungen sind neben Depressionen die zweithäufigste
psychische Erkrankung», sagte der Chefarzt der Jenaer
Universitätsklinik für Psychiatrie in einem dpa-Gespräch.
Darunter leiden nach Angaben Sauers vor allem Frauen. Mit
Angsterkrankungen beschäftigten sich am Wochenende auch
die Teilnehmer der Thüringer Ärztewoche, einem Fortbildungskongress
für Mediziner. Häufig sind nach Angaben Sauers konkrete
Ängste, etwa Höhenangst oder auch Spinnenphobien.
«Schwerwiegend wird die Störung dann, wenn sie
das Leben gravierend beeinträchtigt», sagte der
Mediziner. Das gelte beispielsweise für Panikstörungen.
Dabei hätten die Betroffenen plötzlich in Panikattacken,
verbunden mit Schweißausbrüchen, Todesangst und
Kreislaufkollaps. Um dem zu entgehen, suchten sie die Angst
auslösende Situation von vornherein zu vermeiden. Bei
der Agoraphobie wagten sich die Erkrankten aus Angst vor Panikattacken
im Freien nicht mehr aus dem Haus. Sauer: «Viele Betroffene
sind deswegen nicht in der Lage zu arbeiten, werden erwerbsunfähig
und geraten in die soziale Isolierung.» Angststörungen
seien mit Psychotherapie recht gut behandelbar. «Vor
allem die Verhaltenstherapie hat sich dabei bewährt»,
erläuterte er. Bei einer Verhaltenstherapie lernen die
Patienten unter fachkundiger Anleitung, die für sie so
bedrohlichen Angstgefühle auszuhalten und mit ihnen umzugehen.
Ziel sei es, «die Angst vor der Angst» zu überwinden.